Joachim Gauck will die Linke in Berlin trotz großer Zweifel regieren lassen
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Joachim Gauck will die Linke in Berlin trotz großer Zweifel regieren lassen

Altbundespräsident Joachim Gauck spricht sich bei „maybrit illner“ dafür aus, die Linke in Berlin regieren zu lassen – obwohl er ihre Entwicklung „sehr heikel“ findet. Elif Eralp rät er, Polizei und Justiz nicht zu delegitimieren. Widerspruch kommt aus der Talkrunde.

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Joachim Gauck will die Linke in Berlin regieren lassen – und nennt sie im selben Atemzug „sehr heikel“.

Der Altbundespräsident war am Donnerstagabend Einzelgast der vorab aufgezeichneten ZDF-Sendung „maybrit illner“, ausgestrahlt ab 22:15 Uhr. Anlass war ein „Spiegel“-Bericht vom selben Tag über interne Notizen der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp.

Eralp, designierte Regierende Bürgermeisterin, räumt darin Angst vor Hamas-Sympathisanten im Umfeld der eigenen Partei ein. Auf die Frage, ob er ein rot-grün-rotes Bündnis mittragen würde, sagte der 86-Jährige:

„Es ist nicht die Regierung, die ich mir wünsche. Mein Bauch sagt mir Nein, aber mein politischer Kopf sagt Ja.“
Joachim Gauck, Altbundespräsident

Mit diesem Satz stellt sich Gauck gegen die Skepsis, mit der die SPD dem Bündnis seit dem „Spiegel“-Bericht begegnet. Seine Begründung: Die Linke müsse „einfach mal versuchen, zu regieren“.

Gauck rät Eralp zu Sicherheit statt „altlinkem Quatsch“

Für die Spitzenkandidatin hatte Gauck wenig Verständnis. Wer Angst habe, solle sich „Leute suchen“ oder eine Politik betreiben, die die Ängste minimiert, sagte er – und schob hinterher: „Das ist ja alles altlinker Quatsch.“

Er verlangte von Eralp, für Sicherheit zu sorgen und Polizei und Justiz nicht zu delegitimieren. Die Entwicklung der Partei mit neuen Mitgliedern aus dem palästinensischen Milieu und deren Kontakten in extremistische Kreise nannte er „sehr heikel“: „Ich fühle mich unwohl.“

Eralps Notizen waren zuvor publik geworden; sie schreibt darin von der Angst vor einem Palästina-Aktivisten im Parteiumfeld. Über Gaucks Abrechnung mit Eralps Angst-Notizen berichteten am Freitag mehrere Hauptstadtmedien.

Die Linke ist stärkste Kraft – die Skepsis bleibt

Hintergrund ist die vom 20. September 2026. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1 Prozent); die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent.

Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: Wahlergebnis Berlin, 20. September 2026

Den Vergleich mit der AfD zog Gauck selbst: Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt nannte er das größere Übel. Daraus leitete er für Berlin ab, die Linke solle es trotz seiner Bauchschmerzen versuchen.

Merz ist für Gauck ein „deutscher Patriot“

Deutliches Lob gab es für Kanzler Merz. Über Friedrich Merz sagte Gauck: „Unser Bundeskanzler ist ein deutscher Patriot!“ Zugleich verlangte er mehr Reformtempo: „Politiker mit Mut kommen selten vor.“

Als Vorbild nannte er Gerhard Schröder und dessen Agenda 2010. Auf den Sozialstaat bezogen sagte er: „Wir können keinen Sozialstaat, wie wir ihn haben, weiter finanzieren, wenn die Wirtschaft schwächelt.“

Widerspruch kam aus der Runde. Der Journalist Paul Ronzheimer widersprach dem Plädoyer scharf und warnte mit Blick auf die Sozialdemokraten:

„Wenn das nicht ein Warnschuss ist für eine Partei wie die SPD.“
Paul Ronzheimer, Journalist und Podcaster

Auch Melanie Amann hielt Gaucks AfD-Vergleich für „schwierig“.

In Berlin fällt die Entscheidung nicht im Studio

Ob Gaucks Auftritt die Sondierungen bewegt, ist offen. Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler hat eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen; Fiedlers Absage an ein Bündnis mit der Linken markiert die rote Linie der Sozialdemokraten.

Auch die Wähler bremsen: 56 Prozent der Deutschen lehnen ein rot-grün-rotes Bündnis ab.

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Eralp muss nun entscheiden, ob sie Gaucks Rat folgt und die Sicherheitsbehörden stützt. Und SPD und Grüne müssen entscheiden, ob sie nach diesem Auftritt eher ja sagen – oder erst recht nein.