Söder fordert von der Bundesregierung Ergebnisse statt Streit
Markus Söder rechnet beim MUT MAKER AWARD in München mit der schwarz-roten Koalition ab: Die demokratischen Parteien verlören sich im Klein-Klein. Sein Rat an Merz und die SPD – und warum er „keine Lust zu verlieren“ hat.
Markus Söder hat die schwarz-rote Bundesregierung aufgefordert, endlich Ergebnisse zu liefern – und dabei auch Kanzler Friedrich Merz und die SPD ins Visier genommen. Die demokratischen Parteien verlören sich „zu häufig im Klein-Klein untereinander“, sagte der CSU-Chef bei einem Live-Podcast in München.
Der Auftritt fand am 29. Oktober bei der Verleihung des MUT MAKER AWARD 2026 in der BMW Welt statt. Söder war Gast im Live-Podcast „MUT. Der Deutschland-Talk von Tijen Onaran“, der um 18 Uhr begann. Die Sätze veröffentlichte FOCUS online am 30. Oktober um 13.27 Uhr.
Söder begründete seine Warnung mit dem Eindruck, Kleinst- und Partikularinteressen rückten in den Vordergrund, während die demokratischen Parteien untereinander stritten und Profil zeigten. Der Eindruck entstehe, dass Kleinst- und Partikularinteressen eine übergeordnete Rolle spielten, weil die erste Aufgabe darin bestehe, untereinander zu streiten und Profil zu zeigen. Im ARD-Sommerinterview hatte er die Warnung vor einer AfD-Kopie bereits formuliert.
Söder rät der Koalition: liefern statt streiten
Sein „dringender Rat“ richtete sich ausdrücklich an die Parteien der Mitte und „speziell an die Bundesregierung“ aus CDU/CSU und SPD. Söder verlangte, sich zu konzentrieren, Ergebnisse zu liefern und jeden mitkommen zu lassen. Keiner solle versuchen, den anderen „an die Wand zu spielen“.
„Deswegen mein dringender Rat: sich konzentrieren, Ergebnisse, liefern, jeden mitkommen lassen, keinen versuchen, an die Wand zu spielen. Am Ende gewinnt die Demokratie gesamt oder die Demokratie verliert. Und ich habe keine Lust zu verlieren.“
Markus Söder, CSU-Chef und Bayerischer Ministerpräsident
Der Adressat ist damit die eigene Koalition: Merz regiert mit der SPD, die CSU ist Teil der Union. Söder mahnt nicht die Opposition, sondern die Regierung, der seine Partei angehört. Die Sätze stehen in dem am 30. Oktober veröffentlichten Beitrag Söders Ansage an SPD und Merz.
Klöckner hält mit eigener Mut-Rede dagegen
Am selben Abend hielt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Keynote „Mut zum Machen! Wie mutige Menschen Deutschland voranbringen“. Sie sagte: „Wir verteidigen die Demokratie also nicht mit Gratis-Mut, wir verteidigen sie mit Mut. Mutmaker.“
Klöckner griff in ihrer Rede auch die Kritik an politischen Kräften und Medien auf. „Einige politische Kräfte, auch einige digitale Zeitungen und Plattformen, bedienen dieses Gefühl“, sagte sie. „Damit kann man übrigens in der Klickökonomie gut Geschäft machen. Sie profitieren von der Krise.“
Damit standen zwei Deutungen nebeneinander: Söder fordert von der Koalition mehr Ergebnisorientierung, Klöckner verteidigt die Demokratie als aktive Haltung gegen Krisenrhetorik. Ihre Rede ist im Beitrag Klöckners Keynote über Gratis-Mut dokumentiert.
Zwölf Preisträger aus 500 Bewerbungen
Der MUT MAKER AWARD wurde 2025 von Onaran gegründet und in diesem Jahr vor über 250 Gästen verliehen. Aus rund 500 Bewerbungen wählte eine Jury zwölf Preisträgerinnen und Preisträger in elf Kategorien aus. Als „Mut Maker des Jahres 2026“ wurde Natascha Sagorski ausgezeichnet.
Onaran, Unternehmerin und Initiatorin des Awards, sagte an diesem Abend: „Man muss nicht jede politische Position teilen, um anzuerkennen, dass Frauen in Spitzenpositionen noch immer besonders kritisch beobachtet werden.“
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Söder nennt den Auftritt selbst mutig
Söder wertete seinen Auftritt als Mutprobe. „War auch mutig und habe mich den Fragen von Tijen Onaran für ihren Podcast gestellt“, ließ er über die Bayerische Staatsregierung und auf Instagram mitteilen. Der Abend selbst sei von Menschen geprägt gewesen, die etwas verändern wollten.
„Mut gestaltet unsere Gesellschaft. Jeder kann die Welt verändern und ein Stück besser machen – im Großen wie im Kleinen“, sagte Söder. Für die Koalition in Berlin klingt das wie eine Erinnerung daran, dass dieser Satz auch für sie gilt.
Ob Merz und die SPD Söders Rat als Verpflichtung lesen, ist offen. Der CSU-Chef hat der Koalition einen Maßstab gesetzt: Ergebnisse statt Profilkämpfe, niemanden an die Wand spielen. Gemessen wird er an dem, was CDU, CSU und SPD in den kommenden Sitzungswochen vorlegen.