Der 25-jährige Linken-Bundestagsabgeordnete Luke Hoß ist am Reformationstag nach Paris gefahren, um sich unter die französischen Schülerproteste zu mischen. Am selben Abend gingen in Frankfurt am Main und Köln Geschäfte zu Bruch, es gab Verletzte und mehr als 30 vorläufige Festnahmen.
Hier ein Bundestagsabgeordneter, der sich zu den Protesten der französischen Jugend bekennt, dort eine hessische Landesregierung, die nach den Krawallen Konsequenzen ankündigt: Der Reformationstag legt die Fronten zwischen Protestbewegung und Politik offen. Die Initiative „Gen Z regelt“ feierte ihren Aktionstag dennoch als Erfolg – und kündigte den nächsten an.
In Frankreich zählte das Innenministerium landesweit 320.000 Teilnehmende, 70.000 davon in Paris, und 422 Festnahmen. Bei einem Molotowcocktail-Angriff an der Porte de Charenton wurden zwei Gendarmen leicht verletzt.
Was Hoß in Paris sagte
Auf dem Weg nach Frankreich sagte Hoß der tagesschau: „Meine Generation wurde in eine kaputte Welt geboren.“ In Paris angekommen, wandte er sich in Instagram-Storys an sein Publikum:
„Ich bin Luke und ich habe kein Problem damit, wenn die Jugend in Frankreich der Regierung die Hölle heißmacht.“
Offiziell wolle Hoß in Paris „von der Bewegung lernen". In der Linkspartei hat die Nähe zu den französischen Protesten Tradition: Schwerdtners Vorstoß für ein französisches Vorbild sorgte im Oktober für Widerspruch.
Den Vorwurf, die Proteste seien gewalttätig, weist Hoß zurück: „Statt über die wichtigen und richtigen Forderungen zu sprechen, wird seit Wochen nur darüber gesprochen, dass es vermeintlich Gewalt geben soll.“ In Paris traf er den 17-jährigen Schüler und LFI-Jugendaktivisten Seydou Simbo Ba aus dem Umfeld von Jean-Luc Mélenchon.
Die Bilanz bleibt hinter den Erwartungen
Kurz vor 20 Uhr nannte Sprecher Amadeo die Zahl des Tages: mehr als 100.000 Teilnehmer. Geplant waren Demos in 34 Städten.
Gerechnet hatten die Organisatoren mit mindestens 182.000 Teilnehmenden. Die tatsächlichen Zahlen blieben deutlich darunter – die Lücke zwischen Anspruch und Bilanz ist groß.
Trotzdem kündigte die Initiative an, sich am 20. November an einem europaweiten Protesttag zu beteiligen. „Für uns ist das nur der erste Schritt“, ließ sie mitteilen.
Die Bundesschülerkonferenz geht den Weg nicht mit. Sie plant für den 20. November eine eigene Demo in Berlin – die Absage der Bundesschülerkonferenz an die Gen-Z-Demos fiel schon am 29. Oktober.
Von den ersten Krawallen bis zum nächsten Protesttag
- 17. Oktober 2026Schwere Ausschreitungen in Frankreich
Landesweite Proteste eskalieren zu den schlimmsten Unruhen des Landes seit Jahren.
- 24. Oktober 2026110.000 Menschen in Paris
Am zweiten Protest-Samstag demonstrieren rund 110.000 Menschen in Paris, am Ende kommt es zu massiven Ausschreitungen.
- 29. Oktober 2026Bundesschülerkonferenz distanziert sich
Sie sagt sich von „Gen Z regelt“ los und kündigt eine eigene Demo in Berlin an.
- 30. Oktober 2026Hoß reist an
Auf dem Weg nach Frankreich sagt der Linken-Abgeordnete der tagesschau, seine Generation sei in eine kaputte Welt geboren.
- 31. Oktober 2026Protesttag in 34 Städten
Mehr als 100.000 Teilnehmer meldet „Gen Z regelt“, gerechnet hatte die Initiative mit 182.000.
- 31. Oktober 2026Ausschreitungen in Frankfurt und Köln
Plünderungen, Molotowcocktails, mehr als 30 vorläufige Festnahmen allein in Frankfurt.
- 20. November 2026Nächster europaweiter Protesttag
„Gen Z regelt“ will sich beteiligen, die Bundesschülerkonferenz demonstriert in Berlin.
Molotowcocktails in Frankfurt
Am Abend kippte die Lage in Frankfurt am Main und Köln. Es kam zu Plünderungen, Molotowcocktail-Angriffen und Verletzten; in Frankfurt nahm die Polizei mehr als 30 Menschen vorläufig fest, wie ZDFheute über die Gewalt beim Gen-Z-Protesttag berichtet.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kündigte Konsequenzen an:
„Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden.“
Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte: „Hier hat sich eine verheerende Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen entladen.“ In Köln stoppte die Polizei einen Protestmarsch und setzte Wasserwerfer ein.
Der nächste Termin steht schon
Am 20. November will „Gen Z regelt“ bei einem europaweiten Jugendstreiktag mitmachen; am selben Tag plant die Bundesschülerkonferenz ihre eigene Demo in Berlin. Damit stehen zwei Flügel der Jugendproteste nebeneinander, die unterschiedliche Wege gehen.
In Frankfurt wurden mehr als 30 Menschen vorläufig festgenommen. Hessens Landesregierung hat harte Konsequenzen angekündigt, wie die aussehen sollen, ist bislang offen. Der nächste Protesttag ist für den 20. November angesetzt.
