Robert Habeck erwartet fünf bis zehn Jahre AfD-Erfolg
Robert Habeck warnt im „Handelsblatt“-Interview vor fünf bis zehn Jahren AfD-Erfolg – und davor, dass es „viel länger“ dauern könnte. Der frühere Vizekanzler nennt die Verteidigung der Demokratie einen Wettlauf und wirft der Bundesregierung zugleich einen Fehler in der Kanada-Politik vor.
Deutschland steht nach Einschätzung von Robert Habeck ein Kampf gegen den Aufstieg der AfD bevor, der Jahre dauert – „fünf bis zehn Jahre“, wenn es gut läuft, wenn es schlecht läuft „viel länger“. Der frühere Vizekanzler sagt das in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, das an diesem Sonntag erschienen ist.
„Wir werden mit rechtspopulistischen Parteien und dem Erfolg der AfD noch fünf bis zehn Jahre leben müssen. Wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, viel länger. Nur, je länger wir warten, desto schlimmer wird es. Insofern befinden wir uns in einem Wettlauf zur Verteidigung der Demokratie.“
Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler (Grüne)
Veröffentlicht wurde das Gespräch um 08:01 Uhr. Am Vormittag griffen überregionale Redaktionen den Zeithorizont auf, wie die Welt über Habecks Fünf-bis-zehn-Jahre-Prognose berichtet. Der 57-Jährige ist nicht mehr Vizekanzler – seine Sätze treffen die amtierende Bundesregierung trotzdem, weil er ihr im selben Interview einen außenpolitischen Fehler vorwirft.
Verhältnisse wie in Sachsen-Anhalt
Habeck begründet seine Prognose mit einer Warnung: Ohne mehr Vertrauen in die Institutionen und mehr Teilhabe drohten „in zehn bis 15 Jahren Verhältnisse wie in Sachsen-Anhalt auch auf der Bundesebene“. Dort hatte die AfD im September 2026 mit über 40 Prozent die Landtagswahl gewonnen und die absolute Mehrheit der Sitze nur knapp verfehlt.
Bundesweit liegt die AfD seit Monaten vor der Union – wie die AfD die Union überholt hat. Was in Sachsen-Anhalt als stärkste Kraft längst Realität ist, hält Habeck auf Bundesebene in zehn bis 15 Jahren für möglich.
Für Habecks eigene Partei ist das eine unbequeme Lage. In Sachsen-Anhalt bangten die Grünen um den Wiedereinzug in den Landtag – Habecks Kampf um jede Stimme in Magdeburg fiel in einen Wahlkampf, den die AfD dominierte.
Von Sachsen-Anhalt bis zum Interview
September 2026
AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt
Mit über 40 Prozent wird die AfD stärkste Kraft und verfehlt die absolute Mehrheit der Sitze nur knapp.
Ende September 2026
Habeck sucht die Ursache nicht bei der Wärmepumpe
In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ sagt er, der Grund für das Schrumpfen der politischen Mitte liege nicht bei „Wärmepumpe, Rente mit 63“.
Anfang Oktober 2026
„Easy Target, Low-Hanging-Fruit“
Bei der Buchvorstellung „Arctic Meltdown“ in Köln sagt Habeck, Deutschland sei „voll im Fadenkreuz“ ausländischer Geheimdienste.
1. November 2026
Das Handelsblatt-Interview erscheint
Habeck nennt fünf bis zehn Jahre AfD-Erfolg und kritisiert die Kanada-Politik der Bundesregierung.
Fehler in der Kanada-Politik
Im Gespräch greift Habeck die Bundesregierung auch außenpolitisch an: „Dass die deutsche Regierung ein Zusammenrücken der EU und Kanadas verhindert, ist ein Fehler.“ Hintergrund ist der EU-Kanada-Gipfel in Montreal am 29. Oktober, bei dem der Plan zurückgezogen wurde, Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der EU zu machen.
Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, hatten den Vorschlag von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen abgelehnt. Auch beim Strukturwandel wird Habeck deutlich: „Bestimmte Jobs werden verschwinden, nicht weil ein Grüner sich das so gewünscht hat, sondern weil die Marktkräfte so wirken.“
Was aus dem Wettlauf folgt
Ob die Rechnung aufgeht, hängt aus Habecks Sicht an einer Größe, die sich nicht per Beschluss herstellen lässt: Vertrauen. Er verlangt mehr Teilhabe und Institutionen, denen die Bürger wieder zutrauen, Probleme zu lösen – sonst werde aus dem Zeitfenster von zehn bis 15 Jahren eine echte Gefahr für die Bundesebene.
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Wie schnell der Wettlauf entschieden wird, ist offen. Habeck setzt selbst den Zeitrahmen: Entscheidend seien die nächsten Jahre, ob es bei fünf bis zehn bleibt oder ob die Bundesrepublik, wie er sagt, „viel länger“ mit dem Erfolg der AfD leben muss.