Bärbel Bas begründet Rücktritt mit Tod ihrer Stieftochter
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Erstes Interview

Bärbel Bas begründet Rücktritt mit Tod ihrer Stieftochter

In ihrem ersten Gespräch nach dem Rücktritt nennt Bärbel Bas den Krebstod ihrer Stieftochter als Grund – und rechnet mit der Union ab: Sie wirft CDU-Politikern eine Kampagne vor, Kanzler Merz habe sein Versprechen nicht eingelöst.

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Bärbel Bas hat ihren Rücktritt erstmals ausführlich begründet – und dabei der Union eine Kampagne gegen sich vorgeworfen. „Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: Wofür?“, sagt die frühere Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende in der ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“, die an diesem Montag um 21.45 Uhr im Ersten läuft.

Der Auslöser war ein Sterbefall in der Familie. Bas' Stieftochter, 53 Jahre alt und nur fünf Jahre jünger als sie, starb Ende September im Hospiz an Krebs. „Wir waren sehr eng zusammen über viele Jahre“, sagt Bas; die Sterbebegleitung habe „ziemlich viel Kraft abgesaugt“. Im September ging ihr die Kraft aus, Termine wurden abgesagt. Am 1. Oktober bestätigte das Ministerium einen „Trauerfall im engsten Familienkreis“ – Bas' Schilderung der Hintergründe ihres Rücktritts reicht bis dahin zurück.

Angriffe aus dem Koalitionspartner

Politisch stand Bas längst unter Beschuss. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten nannte sie „nicht mehr tragbar“. Bas beschreibt das Muster so: „Es gab ja auch immer von Seiten der verschiedenen Unionskollegen diese Angriffe, ich würde meine Arbeit nicht machen.“ Der Union wirft sie eine Kampagne mit der Botschaft „Die SPD blockiert“ vor.

„Sowas sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin.“
Bärbel Bas, frühere Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende

Mit „Sowas sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin“ kritisiert Bas die Äußerungen des CDU-Abgeordneten Christian von Stetten. Einen Tag nach ihrem Rücktritt nannten SPD-Politiker den Umgang der Union „unmenschlich“ und „unanständig“; Kanzler Friedrich Merz zollte Bas Respekt – Merz würdigt Bas und verspricht Schweitzer Zusammenarbeit. Berlin erlebte eine mittlere Regierungskrise.

Kaum Menschlichkeit im Betrieb

Bas greift in dem Gespräch nicht nur die Union an. „Oft gibt es kaum Menschlichkeit in diesem politischen Betrieb. Selbst wenn Menschen länger krank sind, wird da kaum drüber gesprochen. Es gibt so eine Art Schweigekultur, weil keiner will sich schwach zeigen in diesem harten politischen Geschäft“, sagt sie. Ihre Klage über mangelnde Menschlichkeit in der Politik richtet sich auch an die eigene Partei.

Aus der eigenen Partei habe sie sich mehr Unterstützung gewünscht, sagt Bas. In der SPD hatte der Umgang der Union mit ihr schon Mitte Oktober scharfe Reaktionen ausgelöst – SPD-Frauen werfen der Union „Sexismus mit System“ vor. Bas selbst mahnt: „Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.“

Merz sicherte Hilfe zu, angekommen ist sie nicht

Ein eigener Vorwurf richtet sich an Kanzler Friedrich Merz. „Er hat mir auch versichert, er kümmert sich. Es hat aber keinen Anklang gefunden“, sagt Bas. Über ihren Rücktritt habe sie nie persönlich mit Merz gesprochen; informiert worden sei er von SPD-Chef Lars Klingbeil.

Rückblickend hätte Bas auf die Kritik an der Union in ihrer Rücktrittserklärung verzichtet, hätte sie das Ausmaß des Koalitionsstreits vorausgesehen. An der inhaltlichen Kritik hält sie fest. Zu ihrem Schritt sagt sie: „Das war ein radikaler Schnitt, den ich jetzt gemacht habe. Aber für mich war der notwendig.“

Die SPD wählt ihre Führung im Januar

Die SPD stellt ihre Führung neu auf. Am 27. Oktober kündigte Lars Klingbeil an, auf einem ordentlichen Bundesparteitag am 16. und 17. Januar 2027 die gesamte Führungsriege zur Wahl zu stellen. Zuvor hatte Hubertus Heil eine eigene Kandidatur für den SPD-Vorsitz nicht ausgeschlossen.

Von der Trauer zum Rücktritt

  1. September 2026
    Stieftochter stirbt im Hospiz

    Bas' Stieftochter erliegt mit 53 Jahren einer Krebserkrankung. Die Ministerin zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück, Termine werden abgesagt.

  2. 1. Oktober 2026
    Ministerium bestätigt Trauerfall

    Das Arbeitsministerium spricht von einem „Trauerfall im engsten Familienkreis“.

  3. 12. Oktober 2026
    Rücktritt als Ministerin und SPD-Chefin

    Bas erklärt ihren Rücktritt – mit der Trauer und mit Angriffen „auch aus den Reihen des Koalitionspartners“.

  4. 13. Oktober 2026
    SPD nennt Umgang „unmenschlich“

    SPD-Politiker verurteilen den Ton der Union, Kanzler Merz zollt Bas Respekt. Berlin erlebt eine mittlere Regierungskrise.

  5. 27. Oktober 2026
    Klingbeil kündigt Parteitag an

    Die gesamte SPD-Führungsriege soll am 16. und 17. Januar 2027 auf einem ordentlichen Bundesparteitag gewählt werden.

  6. 2. November 2026
    Erstausstrahlung des Interviews

    „Konfrontation“ läuft um 21.45 Uhr im Ersten und um 22.15 Uhr im WDR Fernsehen, in der ARD-Mediathek ab 17 Uhr.

Erste Auszüge aus dem Gespräch waren bereits am Abend des 1. November publik geworden, die Sperrfrist endete am 2. November um 6 Uhr. Offen ist, ob Bas' Abrechnung mit der Union den Parteitag im Januar prägt – und ob die CDU auf den Vorwurf der Kampagne reagiert.