Merz sagt der Ukraine 200 Millionen Euro Winterhilfe zu
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Ukraine-Hilfe

Merz sagt der Ukraine 200 Millionen Euro Winterhilfe zu

Kanzler Merz empfängt den ukrainischen Präsidenten überraschend in Berlin und sagt 200 Millionen Euro Winterhilfe zu. Die Europäer sollen mitzahlen – das BSW nennt die Zusagen „Kriegsverlängerungsgelder“.

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Deutschland schiebt der Ukraine weitere 200 Millionen Euro für den Winter zu. Bundeskanzler Friedrich Merz verband die Zusage am Dienstag in Berlin mit einer Mahnung an die übrigen Europäer: Zahlen müssten alle, nicht nur die Deutschen.

Der Besuch war bis zum Morgen geheim: Aus Sicherheitsgründen war der überraschend angekündigte Berlin-Besuch Selenskyjs zuvor nicht öffentlich gemacht worden. Merz informierte die Öffentlichkeit während einer Rede bei der IHK Berlin. Am Vormittag landete der ukrainische Präsident in Berlin.

Rund 3400 zusätzliche Polizisten sicherten den Besuch ab. Teile des Regierungsviertels waren gesperrt, SEK-Scharfschützen postiert.

Empfang mit militärischen Ehren

Gegen Mittag empfing Merz Selenskyj mit militärischen Ehren vor dem Bundeskanzleramt. Danach folgten Gespräche, ein Mittagessen und eine gemeinsame Pressekonferenz gegen 14 Uhr – der Rahmen für die Zusage, die der Kanzler am Morgen bereits angekündigt hatte.

Die 200 Millionen Euro kommen je zur Hälfte aus dem Etat des Auswärtigen Amtes und aus dem Bundesentwicklungsministerium. Union und SPD wollen das Geld überplanmäßig auf den Weg bringen. Gedacht ist es für Kraftwerke und zivile Infrastruktur – die zusätzliche Winterhilfe für Kraftwerke und Infrastruktur.

Selenskyj nannte vor dem Treffen die Themen, die für ihn zählen: die „diplomatische Koordination – mit wichtigen bevorstehenden Treffen“, die Stärkung der Luftverteidigung und die Unterstützung des Energiesektors. Berlin antwortet darauf mit Geld für Kraftwerke und zivile Infrastruktur.

Merz ruft die Europäer zur Mithilfe auf

Merz nutzte den Auftritt, um die europäischen Partner in die Pflicht zu nehmen. Er verwies auf die in der NATO vereinbarten 70 Milliarden Euro militärischer Ukraine-Hilfe für 2026 und sagte:

„Klar ist aber auch: Alle Europäer tragen Verantwortung, nicht nur die Deutschen.“
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)

Für 2027 liegt die Rechnung höher. Beim EU-Gipfel in Brüssel verlangte Selenskyj Mitte Oktober mindestens 70 Milliarden Euro zusätzlich – Selenskyjs Forderung nach 70 Milliarden Euro blieb ohne Entscheidung, der Gipfel vertagte sie.

Merz sagte, die Hilfe werde fortgesetzt, „bis dieser Krieg beendet ist“. Zugleich verwies er auf das, was Deutschland schon zugesagt hat: Anfang Oktober kündigte er in Kiew ein Paket von mehr als 1,3 Milliarden Euro an, darunter rund 350 Millionen Euro Energiehilfe – und Tausende Abfangdrohnen für die Ukraine.

Wagenknecht nennt die Hilfen Kriegsverlängerungsgelder

Das BSW griff die Zusagen scharf an. Sahra Wagenknecht warf Merz vor, neue Blankoschecks an Selenskyj zu überreichen und hierzulande überall zu kürzen. Die Gründerin der Partei sprach von der „nächsten Ohrfeige“ des Kanzlers an das eigene Volk.

„Es ist die nächste Ohrfeige von Merz an das eigene Volk, dass er neue Blankoschecks an Selenskyj überreicht und hierzulande überall kürzen will.“
Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW

Wagenknecht nannte die Hilfen „Kriegsverlängerungsgelder“. Der Vorwurf fällt in die Zeit, in der Merz für 2027 neue Verabredungen der Europäer sammeln will. Der Kanzler hält dagegen, dass Deutschland diese Last nicht allein schultern könne.

Kurz vor den Gesprächen in Abu Dhabi

Der Besuch fällt in eine dichte Terminkette. Am 2. November kündigte der US-Sondergesandte Steve Witkoff trilaterale Gespräche zwischen Ukraine, Russland und den USA für den 10. und 11. November in Abu Dhabi an.

Einen Tag nach dem Berlin-Besuch, am 4. November, beraten in Brüssel Sicherheitsberater der Ukraine, der USA, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens sowie von NATO, EU und Weltbank – über Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau.

Von Kiew nach Berlin: die Wochen vor dem Besuch

  1. 4. Oktober 2026
    Merz reist nach Kiew

    Der Kanzler kündigt ein Hilfspaket von mehr als 1,3 Milliarden Euro an, darunter rund 350 Millionen Euro Energiehilfe. Beide Länder unterzeichnen 15 Abkommen im Wert von über 8,5 Milliarden Euro.

  2. 16. Oktober 2026
    70 Milliarden Euro gefordert

    Beim EU-Gipfel in Brüssel verlangt Selenskyj mindestens 70 Milliarden Euro zusätzliche Unterstützung für 2027 von den Europäern.

  3. 31. Oktober 2026
    Berlin kündigt Gipfel an

    Bei seiner Asienreise kündigt Merz an, Deutschland werde Mitte November eine Konferenz der „Koalition der Willigen“ in Berlin ausrichten.

  4. 2. November 2026
    Termin in Abu Dhabi steht

    US-Sondergesandter Steve Witkoff kündigt trilaterale Gespräche Ukraine – Russland – USA für den 10. und 11. November an.

  5. 3. November 2026
    Überraschungsbesuch in Berlin

    Merz verkündet den Besuch am Morgen bei der IHK Berlin, am Mittag empfängt er Selenskyj mit militärischen Ehren und sagt 200 Millionen Euro Winterhilfe zu.

Am 19. November sollen Verabredungen für 2027 stehen

Merz kündigte für den 19. November ein Treffen der „Koalition der Willigen“ in Berlin an, zu dem eine große Zahl von Staats- und Regierungschefs kommen soll. Dort sollen die Verabredungen für die Ukraine-Hilfe 2027 getroffen werden.

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Ob die europäischen Partner mitziehen, entscheidet sich spätestens an diesem Termin. Bis dahin bleibt offen, ob die 200 Millionen Euro für Kraftwerke und Leitungen eine einmalige Winterzusage bleiben – oder der Auftakt zu den Verabredungen für 2027 sind, die Merz angekündigt hat.