EU-Rüstungsausgaben fließen nur zu 24 Prozent in gemeinsame Käufe
Auf der Berlin Security Conference kontert Verteidigungsminister Pistorius den Vorwurf, Deutschland bevorzuge die eigene Rüstungsindustrie. Nur 24 Prozent der EU-Ausgaben fließen bislang in gemeinsame Beschaffungen.
Deutschland kauft Waffen zu stark bei der eigenen Industrie ein – dieser Vorwurf hat am Mittwoch auf der Berlin Security Conference einen offenen Schlagabtausch ausgelöst. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius konterte, die Kritik müsse sich an alle Europäer mit einer Rüstungsindustrie richten.
Die Kritik kam von Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Sie führt den Verteidigungsausschuss im Europäischen Parlament und ist Kongresspräsidentin der 25. Berlin Security Conference im Vienna House Andel's Berlin. Strack-Zimmermann hatte Deutschland vorgeworfen, Waffen zu stark bei heimischen Herstellern zu kaufen.
Pistorius wies das zurück und drehte den Vorwurf um: Wenn es Kritik gebe, dann an alle Staaten mit Rüstungsindustrie, nicht an Deutschland allein. An Strack-Zimmermann gerichtet sagte er: „Von daher würde ich die Kritik in deiner Frage nicht teilen.“
Deutlicher wurde er bei der Adresse: Die Kritik solle sich „nicht gegen Deutschland richten, sondern gegen buchstäblich alle Europäer mit einer Rüstungsindustrie“. Der Wortwechsel ist im Welt-Bericht über Pistorius' Zurückweisung des Vorwurfs festgehalten.
Erst Kooperation, dann Nationalinteresse
Seine Begründung formulierte Pistorius als Beobachtung aus den europäischen Gremien: Über mehr gemeinsame Rüstungsprojekte werde täglich gesprochen, nicht nur sonntags. Sobald es aber konkret werde, schütze jede Nation zuerst die eigene Industrie.
„Einerseits sagen alle unisono und jeden Tag, nicht nur sonntags, wir wollen mehr Rüstungskooperationen und mehr gemeinsame Rüstungsprojekte. Wenn es dann zum Schwur kommt, sagt auch jede Nation, genauso unisono, aber jede für sich: Meine Industrie darf dabei nicht hinten runterfallen.“
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister (SPD)
Der Minister beschreibt damit ein Dilemma, das alle Mitgliedstaaten teilen – und macht es zur Begründung der eigenen Praxis. Für die gemeinsame Beschaffung heißt das: Solange jeder auf die Vorleistung der anderen wartet, bleibt der Anteil nationaler Käufe hoch. Dass der Streit über Berlin hinausreicht, zeigt Politicos Bericht über den Streit um Europas Rüstungsbeschaffung.
Nur 24 Prozent sind gemeinsame Beschaffung
Wie hoch der nationale Anteil ist, beziffert die Europäische Verteidigungsagentur: 2025 gaben die EU-Staaten 115 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung aus. Nur 24 Prozent davon entfielen auf gemeinsame Beschaffungen.
Geld dagegen hat die EU bereits mobilisiert. Am 27. Mai 2025 beschloss der Rat das Programm SAFE mit 150 Milliarden Euro Kreditvolumen, um gemeinsame Rüstungskäufe zu fördern. Zum Vergleich: Die jährlichen Ausrüstungsausgaben der Mitgliedstaaten liegen bei 115 Milliarden Euro.
Von SAFE bis zur Zielmarke 2030
27. Mai 2025
EU-Rat beschließt SAFE
150 Milliarden Euro Kreditvolumen sollen gemeinsame Rüstungsbeschaffung fördern.
2025
Nur 24 Prozent gemeinsam beschafft
Von 115 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung entfallen 24 Prozent auf gemeinsame Beschaffungen (Europäische Verteidigungsagentur).
3. November 2026
25. Berlin Security Conference beginnt
Tagungsort ist das Vienna House Andel's Berlin, Partnernation ist Litauen.
4. November 2026
Pistorius weist Vorwurf zurück
Der Minister sagt, Kritik müsse sich gegen alle Europäer mit Rüstungsindustrie richten.
2030
Zielmarke 40 Prozent
Mindestens 40 Prozent der Rüstungsausgaben sollen in gemeinsame Beschaffungen fließen.
Rüstungsjobs, Litauen und die Midterms
In Deutschland hängen Arbeitsplätze an diesen Aufträgen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verteidigt sie offensiv, wie Kretschmers Verteidigung deutscher Rüstungsjobs zeigt – er nennt Deutschland im Ukraine-Krieg längst Kriegspartei.
Auch Pistorius nutzte den Auftritt für Signale nach außen: Er gratulierte den US-Demokraten zum Sieg bei den Midterms und bekräftigte das deutsche Engagement in Litauen. Das baltische Land ist in diesem Jahr Partnernation der Konferenz.
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Ob die gemeinsame Beschaffung künftig einen größeren Anteil erreicht, hängt von den nächsten Vergabeentscheidungen der Mitgliedstaaten ab. Pistorius hat für Deutschland klargemacht, wo er steht: Bei ihm soll die heimische Industrie nicht hinten runterfallen.