BSW sucht Nähe zur AfD: Duell-Angebot und Machtoption für Ost-Wahlen
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PolitikTabubruch im Osten

BSW sucht Nähe zur AfD: Duell-Angebot und Machtoption für Ost-Wahlen

Das Bündnis Sahra Wagenknecht fordert ein Ende der Brandmauer zur AfD und schlägt eine konstruktive Zusammenarbeit in den Landtagen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor. Das Angebot ging an die falsche Adresse.

Brief mit weitreichendem Angebot

Am 26. Juni 2026 richtete die BSW-Spitze ein zweiseitiges Schreiben an die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Unterzeichnet wurde es von den Parteichefs Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sowie Generalsekretär Oliver Ruhnert. Darin rechnet das BSW grundsätzlich mit der „Brandmauer“ ab: Sie sei undemokratisch und löse keine Probleme. Die AfD profitiere von ihr, weil sie eine Ohrfeige für deren Wähler sei und die eigentlichen Gemeinsamkeiten zwischen AfD und Regierungsparteien verschleiere. Zudem sieht das BSW beide Parteien als „aus unterschiedlichen Gründen vom Mainstream bekämpft“.

Als konkrete Schritte schlägt das BSW zwei öffentliche Rededuelle zwischen Sahra Wagenknecht und Alice Weidel vor – je eines in Magdeburg und Schwerin, zugeschnitten auf die dortigen Landtagswahlen im September. Darüber hinaus wird eine Machtoption für die Zeit nach den Wahlen skizziert: „Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist unser Wahlziel die Abwahl der Amtsinhaber und ihre Ersetzung durch überparteiliche Ministerpräsidenten, die in den Landtagen mit wechselnden Mehrheiten regieren unter Einbindung der AfD.“ Eine formelle Regierungsbeteiligung sei nicht notwendig.

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BSW kritisiert „propagandistischen Staatsfunk“

In dem Schreiben attackiert das BSW den öffentlich-rechtlichen Rundfunk scharf. Er sei „zunehmend zu einem propagandistischen Staatsfunk nach dem Vorbild des DDR-Fernsehens verkommen, in dem die AfD selten und das BSW nahezu gar nicht mehr zu Wort kommt“. Sahra Wagenknecht hatte bereits zuvor beklagt, ihre Partei werde von Talkshows faktisch ausgeschlossen. Die geplanten Duelle sollen diese Lücke füllen und die mediale Bühne ersetzen.

Amira Mohamed Ali stellte sich auf X hinter den Vorstoß. Sie schrieb: „Wenn die Mainstream-Parteien eine Allparteien-Koalition zusammenzimmern wollen, die nur das Ziel hat, die AfD zu verhindern, werden sie das ohne uns machen müssen.“ Zugleich betonte sie, man sei gesprächsbereit mit allen Parteien über Sachfragen.

Panne bei der Zustellung

Allerdings unterlief dem BSW ein peinlicher Fehler: Das Schreiben wurde an eine falsche Adresse der AfD geschickt. Zudem versäumte es die Partei, eine Faxnummer oder E-Mail-Adresse für eine Antwort anzugeben, wie mehrere Medien berichteten.

Die Offerte kommt zu einem Zeitpunkt, da das BSW in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern laut Umfragen um den Wiedereinzug in die Landtage bangen muss. Entsprechend kämpferisch endet der Brief: „Der Osten tickt anders. Der Herbst 2026 hat etwas von 1989.“ Ob und wie die AfD auf das Angebot reagiert, ist noch unklar. Auch die Reaktion der übrigen Parteien steht aus.

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