De Masi warnt: „Wir werden vor die Hunde gehen“
BSW-Co-Vorsitzender Fabio De Masi hat in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ am 30. Juni 2026 eine düstere Prognose abgegeben. Er warnte, die gegenwärtige Aufrüstung Europas werde das Land ins Verderben stürzen: „Wir werden vor die Hunde gehen.“ Deutschland investiere „viel zu viel Geld in die Rüstung“, das in die USA abfließe oder „im Filz“ versickere.
Wir werden vor die Hunde gehen.Fabio De Masi (Co-Vorsitzender des BSW, Europaabgeordneter)
De Masi kritisierte nicht nur die Höhe der Ausgaben, sondern auch deren Nutzen. „Es ist eine absolute Chimäre, dass es um mehr Souveränität von Deutschland geht. In vielen Bereichen brauchen wir die USA, weil die Systeme nicht kompatibel sind.“ Statt immer neuer Waffen brauche es „belastbare Abrüstungsgespräche“ und „Rüstungskontrollvereinbarungen“. Der Verzicht auf solche Verhandlungen in der Vergangenheit sei ein schwerer Fehler gewesen: „Wir hätten über die Nato-Perspektiven reden müssen.“
Es hat sich gezeigt, dass damals der Verzicht auf Abrüstungsverhandlungen falsch war. Wir hätten über die Nato-Perspektiven reden müssen.Fabio De Masi (Co-Vorsitzender des BSW, Europaabgeordneter)
Der BSW-Chef räumte zwar ein, Deutschland müsse verteidigungsfähig sein, es gebe aber „nicht einen absoluten Betrag, der sozusagen gesetzt und in Stein gemeißelt ist“. Die europäische Aufrüstung treibe zudem Russland zu höheren Militärausgaben – eine fatale Dynamik.
„Komplett falsch und lebensbedrohlich“ – scharfe Gegenrede
ZDF-Korrespondent Ulf Röller widersprach massiv. Seine Einschätzung zu Putin sei „komplett falsch“ und „lebensbedrohlich“ gewesen, warf er De Masi vor. Auf dessen Abrüstungsappell konterte Röller mit der Frage:
Wo sind denn die Angebote von Putin zur Abrüstung? Wo ist denn die Dialogbereitschaft?Ulf Röller (ZDF-Korrespondent)
Auch SPD-Politikerin Katarina Barley widersprach. Sie betonte, dass die Sicherheitslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fundamental anders sei. Gleichzeitig lasse US-Präsident Trump Europa „mehr oder weniger fallen“. Höhere Rüstungsausgaben seien daher unumgänglich, um unabhängiger zu werden:
Wir müssen Geld für Rüstung ausgeben, weil die Bedrohung eine andere geworden ist seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine und seitdem Trump uns mehr oder weniger fallen lässt.Katarina Barley (Vizepräsidentin des Europaparlaments, SPD)
De Masi hielt dagegen, dass sich vielmehr bestätigt habe, „dass der Verzicht auf Entspannungspolitik ein fataler Fehler war“. Wie FOCUS online berichtet, warf ihm die Kolumne vor, Putin zum Opfer umzudeuten. De Masis Abrüstungslinie ist Teil seiner langjährigen politischen DNA – auf seiner Website spricht er regelmäßig von „Rüstungsfilz“. Die Debatte zeigt, wie tief die sicherheitspolitischen Gräben in Deutschland sind.





