Rüdiger Klos (65) war zehn Jahre lang AfD-Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg. Jetzt rechnet der scheidende Politiker in einem siebenseitigen Brandbrief an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla mit der eigenen Parteiführung ab – und spart nicht mit historischen Vergleichen.
Wie die WELT berichtet, warf Klos dem Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier (35) und dessen Stellvertreter Emil Sänze (75) vor, demokratische Regeln zu missachten, Kritiker auszugrenzen und politische Mandate nach Loyalität statt nach Leistung zu vergeben. „Die Zustände im Landesverband erinnern an Nordkorea, und die Parteitage ähneln Sitzungen des chinesischen Volkskongresses“, zitiert das Schreiben.
Angriff auf Landeschef Frohnmaier
Der ehemalige Landtagsabgeordnete wurde persönlich: Frohnmaier sei „noch nie berufstätig“ gewesen, habe „keinerlei Lebensleistung“ erbracht und „keine Ausbildung“. Klos prangerte ein „Geschäftsmodell AfD“ an – eine „Vollversorgung auf Staatskosten ganzer Familien“, wie aus dem Schreiben hervorgeht, über das auch die BILD berichtete. Der Vorstand habe die Landesgeschäftsstelle in einem „chaotischen Zustand“ hinterlassen.
„Ich bedauere, dass er aus persönlicher Verbitterung heraus öffentlich gegen seine ehemalige Partei agitiert.“Markus Frohnmaier, AfD-Landesvorsitzender Baden-Württemberg
Zwei Kreisverbände fordern Konsequenzen
Neben Klos erhoben auch zwei Kreisverbände schwere Vorwürfe. Auf sechs Seiten beklagen sie „moralische Selbstverlotterung“, eine „Kultur der skrupellosen Selbstbedienung“ und die Dominanz von „Machtcliquen“, wie die BILD weiter schreibt. Sie fordern einen außerordentlichen Mitgliederparteitag mit Neuwahl des gesamten Landesvorstands sowie eine unabhängige Prüfung der Landesfinanzen und einer Erbschaft.
Hintergrund ist ein mutmaßlicher Bereicherungsfall: Der frühere Schatzmeister des Kreisverbands Stuttgart soll sich am Parteikonto bedient haben. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, weil die Person verstorben ist.
Frohnmaier mit 91 Prozent bestätigt – Klos droht Ausschluss
Markus Frohnmaier wies sämtliche Vorwürfe zurück und sprach von „persönlicher Verbitterung“ des Klos. Auf dem jüngsten Landesparteitag wurde Frohnmaier mit über 91 Prozent im Amt bestätigt – ein deutliches Stammesvotum. Gegen Klos läuft nach Angaben Frohnmaiers ein Parteiausschlussverfahren.
Parallelen zu Sachsen-Anhalt
Die Vorgänge erinnern an den Vetternwirtschaftsskandal in der AfD Sachsen-Anhalt, wo Anfang des Jahres die Anstellung von Verwandten in Abgeordnetenbüros für Empörung sorgte. Der neurechte Vordenker Götz Kubitschek urteilte damals: „Der Schaden ist schon da, die Glaubwürdigkeit hat einen Riss.“ Björn Höcke teilte den Artikel auf X und kommentierte: „Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen.“
Klos’ abschließendes Urteil fällt vernichtend aus: „Diese AfD ist wegen ihrer antidemokratischen innerparteilichen Strukturen und der Negativauslese ihrer Kandidaten zu einer Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung geworden.“ Die Forderungen der zwei Kreisverbände nach einem außerordentlichen Parteitag und unabhängiger Finanzprüfung sind bislang unbeantwortet.





