Höcke: Westdeutsche nur noch „Deutsch sprechende Amerikaner“
Der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke hat Westdeutschen das Deutschsein abgesprochen. In einem Podcast der Schweizer Weltwoche mit Roger Köppel erklärte der rechtsextreme Politiker, Deutsche in den westlichen Bundesländern hätten ihre authentische Identität verloren und seien kulturell von den USA vereinnahmt worden.
Konkret behauptete Höcke, die Westdeutschen hätten sich durch die amerikanische Kultur „usurpieren“ lassen – seien also gewaltsam von den USA in Besitz genommen worden. Sie seien nur noch „Deutsch sprechende Amerikaner“ mit einer Ersatzidentität. Anders die Ostdeutschen: Diese seien noch „Deutsch sprechende Deutsche“. Höcke beteuerte zugleich, kein Anti-Amerikaner zu sein.
Der 54-jährige Höcke stammt selbst aus Westfalen und war bis 2014 Lehrer in Hessen, bevor er den AfD-Landesverband in Thüringen übernahm. Der thüringische Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Keine kritischen Rückfragen im Podcast
Während des Interviews stellte Moderator Köppel keine kritischen Nachfragen zu Höckes rechtsextremen Positionen oder zu seiner Vorstrafe. Höcke war gerichtlich wegen der Verwendung der verbotenen SA-Losung „Alles für Deutschland“ verurteilt worden. Köppel lobte ihn stattdessen als „die größte Reizfigur der deutschen Politik“. Bereits wenige Wochen zuvor hatte Höcke in einem anderen Podcast-Format unkritisch seine radikalen Ansichten verbreiten können.
Neben der Abwertung der Westdeutschen kritisierte Höcke im Podcast erneut die deutsche Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Die deutsche Geschichte dürfe nicht als „Verbrecheralbum“ betrachtet werden, forderte er.
Höckes provokative Rollenwechsel
Höcke inszeniert sich seit Jahren als „Stimme des Ostens“, obwohl er selbst erst 2014 aus dem Westen nach Thüringen zog. In früheren Reden hatte er bereits mehrfach eine ostdeutsche Identität beschworen, die er als widerständiger und authentischer darstellt als die westdeutsche. Der Osten habe „die Erfahrung der Diktatur noch in den Knochen“, sagte er einmal. Der Westen hingegen sei weniger wachsam gegenüber medialer Manipulation.
Fachleute sehen in dieser Rhetorik eine gezielte Strategie, um gesellschaftliche Spaltung zu vertiefen und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Höcke selbst fordert immer wieder eine „180-Grad-Wende“ in der deutschen Erinnerungspolitik und eine Rückbesinnung auf eine völkisch-nationale Identität.
Die Quellenlage zu den unmittelbaren Reaktionen auf Höckes Podcast-Aussagen ist derzeit noch unvollständig. Stellungnahmen anderer Parteien oder zivilgesellschaftlicher Organisationen liegen bisher nicht vor. Sobald weitere Informationen verfügbar sind, wird dieser Artikel aktualisiert.
Höckes jüngster Vorstoß dürfte den innenpolitischen Druck auf die AfD erneut erhöhen. Der Verfassungsschutz beobachtet den Thüringer Landesverband bereits als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Offen ist, ob die Gesamtpartei sich von den Äußerungen distanzieren wird – oder ob Höckes radikale Identitätspolitik bei der Basis auf Zustimmung stößt.





