Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich erneut verschlechtert. Erstmals nach der Corona-Pandemie steigen die Belastungswerte wieder an – 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind psychisch auffällig. Das zeigt das Deutsche Schulbarometer Schüler:innen 2025/26 der Robert Bosch Stiftung.
Auch die achte Befragungswelle der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeichnet ein besorgniserregendes Bild: 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten von einer eingeschränkten gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Der Wert liegt rund sieben Prozentpunkte über dem präpandemischen Niveau. 18 Prozent leiden unter Einsamkeit – häufiger als vor der Pandemie.
Soziale Herkunft entscheidet über das Belastungsrisiko
Kinder aus einkommensschwachen Familien – mit einem Einkommen von maximal 60 Prozent des Medianeinkommens – sind mit 31 Prozent überdurchschnittlich häufig betroffen. Bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf liegt der Anteil sogar bei 36 Prozent. Auch das Geschlecht spielt eine große Rolle: Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren zeigen signifikant höhere Depressions- und Angstsymptome als gleichaltrige Jungen. Das geht aus den COPSY-Daten laut Bundespsychotherapeutenkammer hervor.
Als zentrale Belastungsfaktoren nennen die Studien Zukunftssorgen – etwa durch Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Krisen – sowie die Nutzung sozialer Medien. 39 Prozent der Jugendlichen geben an, dort häufig mit belastenden Inhalten konfrontiert zu sein.
Experten fordern mehr Therapieplätze und Prävention
Die Studie zeigt eine Stagnation auf hohem Niveau psychischer Erkrankungen. Es wird deutlich, wie eng Zukunftssorgen und psychische Belastungen bei jungen Menschen miteinander verknüpft sind. Auch die Nutzung sozialer Medien spielt eine sehr wichtige Rolle.Cornelia Metge, Vorstandsmitglied der Bundespsychotherapeutenkammer
Die Forderungen an die Politik sind deutlich: verlässliche Strukturen zur Stärkung der psychischen Gesundheit junger Menschen, mehr Therapieplätze und niedrigschwellige Präventionsprogramme. Derzeit beträgt die Wartezeit auf einen Therapieplatz für Kinder und Jugendliche oft mehrere Monate. Die Bundespsychotherapeutenkammer drängt auf eine Ausweitung der Ausbildungskapazitäten und eine bessere Finanzierung.
Doch die Studien zeigen auch Positives: Viele Kinder und Jugendliche verfügen über wirksame Bewältigungsstrategien. Aktive Coping-Strategien wurden am häufigsten genutzt und als besonders effektiv eingeschätzt. Stabile soziale Beziehungen in Familie und Freundeskreis wirken als zentrale Schutzfaktoren. Dass guter Unterricht mit unterstützenden Lehrkräften und einem positiven Klassenklima das Wohlbefinden nachweislich stärkt, betont auch Anna Gronostaj von der Robert Bosch Stiftung.
Politik unter Handlungsdruck
Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil psychisch belasteter Kinder und Jugendlicher bei etwa 18 Prozent. Während der Lockdowns stieg er auf bis zu 31 Prozent. Die aktuellen Werte zeigen: Eine Erholung auf das Ausgangsniveau ist ausgeblieben. Stattdessen steigt die Belastung im Schulbarometer 2025 erstmals wieder an – von 21 Prozent im Vorjahr auf nun 25 Prozent.
Psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen im Zeitverlauf
Anteil psychisch auffälliger oder belasteter Kinder und Jugendlicher
Mit Blick auf die anstehende Gesundheitsreform 2026 stellt sich die Frage, ob die psychische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ausreichend berücksichtigt wird. Experten sehen dringenden Nachholbedarf – die nächsten Monate werden zeigen, ob und wie schnell die Politik darauf reagiert.








