Verdopplung in acht Jahren
5,7 Millionen Pflegebedürftige – ein neuer Höchststand. Der Barmer-Pflegereport 2025 beziffert den Anstieg zwischen 2015 und 2023 auf knapp 90 Prozent. Damit hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland innerhalb von acht Jahren nahezu verdoppelt. Der Anteil an der Bevölkerung kletterte von 3,21 auf 6,24 Prozent.
Was wie eine demografische Explosion wirkt, hat einen anderen Kern: Nur rund 15 Prozent des Zuwachses lassen sich laut Report auf die Alterung der Gesellschaft zurückführen. Der Löwenanteil geht auf eine politische Entscheidung zurück – die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade im Jahr 2017.
Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich in Deutschland innerhalb von acht Jahren nahezu verdoppelt.Charly Kahle, Autor des Barmer-Pflegereports 2025
Seit der Reform erhalten deutlich mehr Menschen Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung – insbesondere Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen wie Demenz, die nach den alten Pflegestufen oft leer ausgingen. Auch bei Krebs, Schlaganfall und Parkinson stieg der Anteil der als pflegebedürftig Eingestuften sprunghaft.
Milliardendefizit und politischer Streit
Die steigenden Zahlen treiben die Pflegeversicherung in ein immer tieferes Finanzierungsloch. Bereits jetzt klafft ein Milliardendefizit, das durch Beitragserhöhungen allein kaum zu stopfen ist. Die Tagesschau berichtet von konkreten Kürzungsplänen aus dem Bundesgesundheitsministerium.
Die Vorschläge von Ministerin Warken stoßen auf breiten Widerstand. Sozialverbände warnen vor Einschnitten zulasten der Pflegebedürftigen, selbst in der Union regt sich Widerspruch. Die Debatte um eine strukturelle Neuausrichtung der Pflegefinanzierung ist voll entbrannt.
Der Barmer-Pflegereport zeigt zudem, dass Pflegeverläufe bei schweren Erkrankungen länger und teurer werden. Pflegebedürftige mit Demenz verbringen im Schnitt deutlich mehr Zeit in stationären Einrichtungen als Menschen ohne diese Diagnose. Die Ausgabenkurve steigt also nicht nur durch mehr Fälle, sondern auch durch längere Verweildauern.
Das Statistische Bundesamt rechnet mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 7,6 Millionen Pflegebedürftige bis 2055. Ohne eine grundlegende Reform der Finanzierung droht das System zu kollabieren.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Ampel-Koalition auf einen Kurs einigen kann – oder ob die Pflegeversicherung zum nächsten großen sozialpolitischen Konflikt wird.








