Zweite Amtszeit trotz Altersfrage
Mit 70 Jahren denkt Friedrich Merz nicht ans Aufhören – im Gegenteil. Beim Politischen Aschermittwoch der CDU in Trier kündigte der Bundeskanzler an, nach der Bundestagswahl 2029 eine zweite Amtszeit anzustreben. „Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen“, sagte Merz am 18. Februar 2026, wie die WELT berichtet.
Sein zentrales Argument für eine lange Kanzlerschaft: die eigene Familiengeschichte. Merz verwies darauf, dass sein Vater im Januar 102 Jahre alt geworden sei. Die Botschaft: Wer derart langlebige Eltern habe, bringe die Voraussetzungen für ein langes politisches Wirken mit. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sekundierte später im Stern: „Er hat also die Gene, dass er noch sehr lange Politik machen kann.“
Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen.Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)
An den rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten Gordon Schnieder gewandt zeichnete Merz ein Bild der kommenden fünf Jahre: „Wenn wir dann, sagen wir in fünf Jahren, hier wieder stehen, dann möchte ich, dass wir beide gemeinsam, du als Ministerpräsident, ich im Amt als Bundeskanzler, wir beide zurückschauen und sagen: Das waren harte Zeiten, aber wir haben damals die richtigen Entscheidungen getroffen.“
Parteitag und Parteivorsitz
Noch bevor die K-Frage für 2029 relevant wird, steht für Merz ein anderes Votum an: Am Freitag will er sich auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart zum dritten Mal zum Parteichef wählen lassen. Der 70-Jährige ist bereits der älteste Bundeskanzler seit Konrad Adenauer, der 1963 mit 87 Jahren aus dem Amt schied.
Linnemann dämpfte unterdessen die Erwartungen an eine schnelle Kandidatenklärung. „Ich gehe davon aus, aber das ist keine Frage, die sich im Jahr 2026 stellt“, sagte der Generalsekretär der dpa. Damit hält die CDU-Spitze die Personaldebatte bewusst offen – Merz’ Vorstoß setzt die Partei dennoch unter Zugzwang.
Die Parallele zu Adenauer ist nicht nur eine Frage des Alters. Auch der erste Kanzler der Bundesrepublik regierte über mehrere Legislaturperioden und prägte die CDU über Jahrzehnte. Merz’ Hinweis auf die eigene Familie soll offenbar vermitteln: Er habe die körperliche und geistige Substanz für ein ähnliches Marathon-Pensum.
Ob Merz’ Kalkül aufgeht, hängt nicht nur von seinen Genen ab. Bis 2029 muss der Kanzler eine Koalition zusammenhalten, die als „liebloses Rechts-Links-Bündnis“ gestartet war, und Deutschland durch wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser steuern. Der Aschermittwoch in Trier war nur der Auftakt – der nächste Lackmustest folgt am Freitag in Stuttgart.





