Mehr als 40 Prozent für die AfD, und das in ihrer Heimat. Für Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken, ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 ein Kampf, der über die Zukunft ihrer Partei und ihres Bundeslandes entscheidet. Sie will die AfD mit allen demokratischen Mitteln von der Macht fernhalten – zur Not auch mit der CDU.
Laut Tagesspiegel liegt die AfD in jüngsten Umfragen mit über 40 Prozent klar vorn, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf rund 25 Prozent. Die Linke rangiert bei 12 bis 13 Prozent. Gemeinsam hätten CDU und Linke eine Mehrheit gegen die Blaupartei. Doch ein Bündnis scheint unmöglich.
Reichinnek: „Ich werde meine Heimat nicht den Faschisten überlassen“
Ich werde meine Heimat nicht den Faschisten überlassen.Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Linken im BundestagMehr Zitate von Heidi Reichinnek →
Reichinnek ist in Sachsen-Anhalt aufgewachsen und führt den Landtagswahlkampf ihrer Partei persönlich an. Die 38-Jährige, die mit ihrer Brandmauer-Rede im Bundestag und dem Ruf „Auf die Barrikaden!“ bundesweit bekannt wurde, bringt ihre ganze TikTok-Reichweite in den Wahlkampf ein. Ihr Ziel: die junge Wählerschaft mobilisieren.
Im RTL/ntv-„Frühstart“ machte sie ein Angebot an die CDU: „Wir sind bereit, mit allen demokratischen Parteien beziehungsweise Fraktionen zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, etwas für die Menschen zu erreichen und die Demokratie zu verteidigen.“ Auch Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Linken, bekräftigte: „Wir werden alles tun, um die AfD von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten.“
CDU-Ministerpräsident Schulze schließt Linke-Koalition aus
Sven Schulze erteilte allen Avancen eine klare Absage. In der ntv-Sendung „Pinar Atalay“ sagte er: „Ich habe ganz klar gesagt, … in meiner Regierung wird es keine Ministerin der Linkspartei und keinen Minister der AfD geben.“ Das gelte auch für die Zeit nach der Wahl.
Ich habe ganz klar gesagt, … in meiner Regierung wird es keine Ministerin der Linkspartei und keinen Minister der AfD geben.Sven Schulze, CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
Schulze will lieber eine Fortsetzung der aktuellen Koalition aus CDU, SPD und FDP, obwohl diese laut Umfragen weit von einer Mehrheit entfernt ist. Auf den Vorschlag, sich mithilfe der Linken zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen, reagierte er ablehnend: „Das ist nicht mein Ziel.“
Was die Linke stark macht – und warum es trotzdem eng wird
Die Linke profitiert von einem paradoxen Effekt: Während sie im Wahlkampf bewusst auf Trigger-Themen wie Migration und Klima verzichtet und stattdessen auf soziale Gerechtigkeit, Mieterschutz und praktische Sozialberatung setzt, verschaffte ihr vor allem der Widerstand gegen Friedrich Merz' Migrationskurs enormen Zulauf. Reichinnek gilt als Symbolfigur dieser Brandmauer-Politik. Vor allem junge Wählerinnen und Wähler erreicht sie über soziale Medien – die „Generation TikTok“.
Ob dieses Modernisierungsprofil reicht, um die CDU doch noch zum Einlenken zu bewegen, ist fraglich. Die CDU-Führung hält am Unvereinbarkeitsbeschluss fest, der eine Koalition mit der Linken formell ausschließt. Gleichzeitig wächst in Teilen der Union die Unruhe, wie eine Regierungsbildung ohne AfD und Linke möglich sein soll.
Bis zur Wahl bleiben drei Monate. Die Linke setzt auf eine bewegliche Strategie: „Unterstützt uns! Unterstützt auch andere demokratische Parteien, wenn die euch näherstehen. Es geht hier gerade um alles!“, rief Reichinnek ihren Anhängern zu. Ob ihr Appell die starren Fronten aufbrechen kann, wird über die politische Zukunft Sachsen-Anhalts entscheiden – und darüber, ob die AfD erstmals in einem Bundesland regiert.





