Anti-Terror-Gesetz: Festnahme am Flughafen
Am Samstagabend gegen 17:00 Uhr Ortszeit stoppte die britische Polizei den rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson (43, bürgerlich Stephen Yaxley-Lennon) am Londoner Flughafen Heathrow. Grundlage war der Counter Terrorism and Border Security Act 2019, wie ein Sprecher der Metropolitan Police bestätigte. Robinson war über die Türkei aus Russland zurückgekehrt. Seine Kommunikationsgeräte wurden beschlagnahmt, nach einer Befragung kam er wieder auf freien Fuß.
Die Maßnahme erfolgte in einer Woche, in der Robinson massiv online Stimmung gegen Migranten gemacht hatte. Laut einem Bericht von BBC News hatte er kurz zuvor ein Video auf X veröffentlicht, das ihn mit Elon Musks Vater Errol Musk in Moskau zeigte. Die Hintergründe dieser Russland-Reise sind unklar.
Die Eskalation in Belfast
Auslöser der Unruhen war eine brutale Messerattacke am Montagabend in Nord-Belfast. Ein 30-jähriger Sudanese hatte den Einheimischen Stephen Ogilvie mit einem Messer schwer verletzt – Ogilvie verlor ein Auge und musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Der Angreifer wurde wegen versuchten Mordes angeklagt und sitzt in Untersuchungshaft.
Innerhalb weniger Stunden entluden sich die Spannungen in offener Gewalt. Vermummte Gruppen zogen durch Straßen, zündeten Häuser an, in denen sie Migranten vermuteten, setzten Fahrzeuge und Müllcontainer in Brand und griffen Polizisten mit Steinen und Molotowcocktails an. Insgesamt wurden 12 Polizisten verletzt, 16 Personen festgenommen und 27 Menschen obdachlos gemacht. Zudem kursierten im Netz Listen mit Adressen mutmaßlicher Migranten – offenbar gezielt verbreitet, um weitere Angriffe zu koordinieren.
An escalation of disorder in Northern Ireland that has not been seen here to those levels since the worst possible days of the troubles, racist, mindless, vile thugs.Jon Boutcher, Chief Constable der PSNIMehr Zitate von Jon Boutcher →
Robinson selbst hatte die aufgeheizte Stimmung befeuert. Auf X forderte er mehrfach Massenproteste, rief zur Schließung der Grenzen auf und teilte Inhalte, die Millionen Aufrufe erzielten. Auch Elon Musk und der Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage verbreiteten laut CBS News das Video der Messerattacke und schürten damit die Wut zusätzlich an.
Groups of masked men burning families out of their homes is nothing less than disgusting cowardice.Claire Hanna, SDLP-Abgeordnete in WestminsterMehr Zitate von Claire Hanna →
Tausende demonstrieren gegen Rassismus
Am Samstag, dem Tag von Robinsons Festnahme, versammelten sich tausende Menschen in Belfast und Derry zu Anti-Rassismus-Kundgebungen. Unter dem Motto „Together Against Hate" zogen sie vor das Rathaus von Belfast. Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien riefen zur Besonnenheit auf. Plakate trugen Aufschriften wie „Refugees Welcome" und „Riots don't speak for Belfast".
This week we witnessed something we will never forget. The scenes of families and young children fleeing their homes in terror. The whole world watched Belfast in horror. There is nothing legitimate about racist pogroms, and racism has no place in our city.Ivanka Antova, Vorsitzende von United Against RacismMehr Zitate von Ivanka Antova →
Die Organisatorin Elaine Crory brachte die Dynamik auf den Punkt: „All it takes is for one person who's not white and local to commit a crime and that fire of racism is rekindled." – Sobald eine nicht-weiße, nicht-einheimische Person eine Straftat begehe, lodere das Feuer des Rassismus wieder auf.
Was kommt auf Robinson zu?
Robinson war bereits im November 2025 vom Vorwurf einer Terrorstraftat freigesprochen worden, nachdem er sich geweigert hatte, der Polizei den PIN seines Telefons zu nennen – er berief sich auf journalistischen Quellenschutz. Die jetzige Beschlagnahmung seiner Geräte könnte neue Ermittlungen nach sich ziehen. Die Metropolitan Police teilte lediglich mit, ein Mann sei „befragt und anschließend freigelassen" worden.
Die nordirische Polizei prüft derweil, inwieweit online verbreitete Aufrufe die Ausschreitungen gezielt gesteuert haben. PSNI-Assistent Ryan Henderson erklärte, es gebe „keine Hinweise", dass loyalistische Paramilitärs die Unruhen koordiniert hätten – die Organisation lief offenbar dezentral über soziale Netzwerke. Ob und wann die nächste Eskalation droht, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Daten Robinsons beschlagnahmte Telefone preisgeben.





