Lauterbach-Kommission fordert WHO-Gesundheitsnotstand wegen Klimakrise
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Lauterbach-Kommission fordert WHO-Gesundheitsnotstand wegen Klimakrise

Eine WHO-Kommission mit Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach verlangt die höchste Alarmstufe für die Erderwärmung. Kritiker sprechen von einem „verzweifelten Versuch um Aufmerksamkeit" und warnen vor einer Entwertung des Notstandsbegriffs.

Notstandsforderung vor Weltgesundheitsversammlung

Die von der WHO eingesetzte Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit hat die Weltgesundheitsorganisation dazu aufgerufen, die Klimakrise als „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" auszurufen. Es ist dieselbe höchste Alarmstufe, die zuletzt bei der Covid-19-Pandemie aktiviert wurde. Der Bericht wurde am 17. Mai 2026 der WHO übergeben – einen Tag vor Beginn der jährlichen Weltgesundheitsversammlung in Genf.

Der elfköpfigen Kommission unter Vorsitz der früheren isländischen Premierministerin Katrín Jakobsdóttir gehört auch der ehemalige deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an. Weitere Mitglieder sind die frühere EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard und der Ex-Leiter der Europäischen Umweltagentur Hans Bruyninckx, wie die Welt berichtete.

Die WHO muss der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen. Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn.
Karl Lauterbach, ehemaliger Bundesgesundheitsminister

Lauterbach bezifferte die jährlichen Todesfälle durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in Europa auf 600.000, hinzu kämen 60.000 Hitzetote. „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben", sagte er der dpa. Die Kommission empfiehlt unter anderem einen WHO-Klima-Informations-Hub mit Faktenchecks und wissenschaftlichen Prognosen sowie die Verankerung der Klimakrise in nationalen Sicherheits- und Gesundheitsstrategien.

Klimatologe spricht von „verzweifeltem Versuch um Aufmerksamkeit"

Die Forderung stößt auf deutliche Kritik. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Jochem Marotzke, nannte den Vorstoß im MDR AKTUELL-Interview einen „fast verzweifelten Versuch um Aufmerksamkeit". Ein so langfristiges Thema wie das Klima lasse sich nicht durch kurzfristige Alarmrufe voranbringen.

Wenn ich so einen Begriff inflationär gebrauche, hat er irgendwann keine Schlagkraft mehr.
Jochem Marotzke, Klimatologe

Marotzke räumte ein, dass die konkreten Empfehlungen der Kommission – etwa das Herunterfahren fossiler Brennstoffe – „fast alles sehr vernünftig und wichtig" seien. Dennoch warnte er vor einer Entwertung des Notstandsinstruments: Wer zu oft „Feuer" rufe, verliere an Glaubwürdigkeit.

Gesundheitspersonal soll für Klimafolgen geschult werden

Der Bericht verlangt, Beschäftigte im Gesundheitswesen besser für Nachhaltigkeit und Klimaanpassung auszubilden und Regionen bei der Transformation zu unterstützen. Frühwarnsysteme für Hitzewellen sollen ausgebaut werden. Die WHO hatte die Kommission im vergangenen Jahr eingerichtet, weil die Gesundheitsrisiken des Klimawandels rapide zunehmen.

Eine Studie des Umweltbundesamtes von 2025 hatte bereits vor Übersterblichkeit in Hitzeperioden gewarnt, besonders bei Menschen über 65. Die Kommission sieht in der Notstandserklärung einen Hebel, um Regierungen zum Handeln zu zwingen. Ob die WHO dem Ruf folgt, ist offen – die Weltgesundheitsversammlung tagt noch bis zum 22. Mai.

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