Die Moderation, die das ZDF in Erklärungsnot bringt
Tech-Milliardär Elon Musk will das ZDF verklagen. Der Auslöser: eine Moderation in der Sendung „ZDF heute live“ vom 12. Juni 2026, die ihm eine Aussage unterstellte, die er nie getätigt hat. Der Sender selbst räumte später ein, die Formulierung sei „unpräzise und deshalb missverständlich“ gewesen – doch für Musk ist die Sache damit nicht erledigt.
In der umstrittenen Sendung hatte Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg die Berichterstattung über die gewaltsamen Ausschreitungen in Belfast mit den Worten eingeleitet: „Ein brutaler Mordversuch auf offener Straße in Belfast. Jemand filmt. Das Video geht viral. Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.“
Was Musk tatsächlich getan hatte: Er hatte auf seiner Plattform X einen Beitrag des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson geteilt, der zu landesweiten Protesten aufrief, und kommentierte: „Only by protesting REPEATEDLY and LOUDLY will there be any change!!“ – ein Aufruf zu lautstarkem Protest, nicht zur Jagd auf Menschen. Einen direkten Aufruf zu Gewalt gegen Migranten gab es zu keinem Zeitpunkt.
ZDF räumt Fehler ein – NDR-Redakteur wird deutlich
Auf massiven öffentlichen Druck reagierte das ZDF mit einer nachträglichen Korrektur. In der Videobeschreibung der Sendung heißt es inzwischen: „Die Formulierung ist unpräzise und deshalb missverständlich. Tommy Robinson hat nach dem Messerangriff in Belfast zu Protesten aufgerufen. Der Post wurde von Elon Musk geteilt.“ Von der ursprünglichen Behauptung, Musk habe zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen, ist in dieser Richtigstellung keine Rede mehr.
Liebe Kolleginnen und Kollegen in Mainz, bei allem Respekt. Das geht so nicht. So können und so dürfen wir nicht arbeiten. Das ist völlig inakzeptabel.Sebastian Eberle, NDR-Redakteur
Damit nicht genug: Auch aus den eigenen Reihen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kam scharfe Kritik. NDR-Redakteur Sebastian Eberle wandte sich auf X direkt an das ZDF und nannte die Darstellung „völlig inakzeptabel“ – ein ungewöhnlich offener Angriff innerhalb der ARD-ZDF-Familie, der die Brisanz des Vorgangs unterstreicht.
Reichelt legt nach – Musk droht mit Klage
Richtig Fahrt nahm der Konflikt auf, als der frühere BILD-Chefredakteur und jetzige Nius-Herausgeber Julian Reichelt die ZDF-Berichterstattung auf X scharf attackierte. Er schrieb: „Dass Elon Musk zur Jagd auf Migranten aufgerufen hätte, war eindeutig und unmissverständlich formuliert, eine Tatsachenbehauptung ohne jede Faktengrundlage, eine ekelhafte Propagandalüge.“ Musk antwortete direkt auf diesen Post – und machte Ernst.
Rechtsmaßnahmen werden gegen ZDF wegen ihrer skandalösen Lügen ergriffen.Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, Eigentümer von X
Welche konkreten rechtlichen Schritte Musk einleiten will, ließ er offen. Denkbar sind Unterlassungsklagen, Schadensersatzforderungen oder presserechtliche Verfahren vor deutschen Gerichten. Musks Ankündigung fiel in eine ohnehin aufgeheizte Debatte: Das Center for Countering Digital Hate (CCDH) ermittelte, dass seine Verbreitung von Robinsons Beiträgen 64 Millionen Aufrufe generierte und damit erheblich zur Eskalation in Belfast beitrug.
CCDH-Gründer Imran Ahmed warf Musk vor, die Tragödie von Belfast ausgenutzt zu haben: „Unsere Untersuchungen zeigen, dass er die Belfast-Tragödie genutzt hat, um Anti-Migranten-Narrative an Millionen von Nutzern zu verbreiten und endlose Aufrufe zu Gewalt zu provozieren.“ Der Vorwurf der gezielten Stimmungsmache steht damit im Raum – doch genau deshalb wiegt die falsche Zuspitzung des ZDF umso schwerer.
Die Nächte von Belfast: Messerangriff, Hass und brennende Autos
Auslöser der Unruhen war ein brutaler Messerangriff in Belfast am 9. Juni 2026. Ein 30-jähriger Sudanese, der als Asylbewerber legal im Vereinigten Königreich lebte, wurde wegen versuchten Mordes an dem 44-jährigen Stephen Ogilvie angeklagt. Das Opfer verlor ein Auge und liegt im Koma. Videos der Tat verbreiteten sich rasant auf X und anderen Plattformen – und wurden sofort von rechtsextremen Aktivisten instrumentalisiert.
In der Folge zogen randalierende Gruppen durch Belfasts Straßen, zündeten Autos, Häuser und einen Bus an und griffen Polizisten mit Steinen und Flaschen an. Auch in Glasgow kam es zu rassistisch motivierten Übergriffen. Die Familie des Opfers Stephen Ogilvie verurteilte die Ausschreitungen ausdrücklich: „Wir wollen absolut klarstellen, dass die nächtlichen Unruhen nicht willkommen sind. Wir haben viele Migranten, die einen wertvollen Beitrag für unser Land leisten.“
Die britische Regierung um Premierminister Keir Starmer warf Musk bereits vor den aktuellen ZDF-Enthüllungen vor, „Spaltung zu schüren“. Labour-Chefin Anna Turley nannte Musks Einmischung „entsetzlich“. Jetzt, da ein öffentlich-rechtlicher Sender selbst eine Falschmeldung einräumen musste, droht der Streit eine neue juristische Dimension zu erreichen. Wie das ZDF auf Musks Klageandrohung reagiert, ist noch offen – eine Rücknahme der Korrektur wäre ebenso undenkbar wie ein Schuldeingeständnis ohne juristische Konsequenzen.





