Ein Trikot mit der Nummer 47
Am Morgen des 16. Juni, kurz vor einer Arbeitssitzung zur Ukraine, überreichte Bundeskanzler Friedrich Merz US-Präsident Donald Trump ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft. Auf der Rückseite stand »TRUMP«, darunter die Zahl 47 – eine Anspielung auf Trumps Status als 47. Präsident und auf die laufende Fußball-WM 2026. Trump hielt das schwarz-weiße Trikot sichtlich erfreut in die Kameras, während die übrigen Staats- und Regierungschefs zuschauten.
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel spottete, Merz habe ausgesehen »wie der Klassenstreber neben seinem Lehrer«. Die New York Times wertete den Auftritt als Teil einer Charmeoffensive europäischer Politiker, die noch eine Woche zuvor undenkbar gewesen wäre.
Trumps 80. Geburtstag und patriotische UFC-Show
Nur Tage zuvor hatte Trump im Weißen Haus seinen 80. Geburtstag mit dem Kampfsport-Event »UFC Freedom 250« gefeiert. Auf dem South Lawn traten Kämpfer in einem Käfig an, untermalt von patriotischer Symbolik. Trump nannte das Spektakel »etwas, das alles übertrifft, was irgendjemand jemals im Sport gesehen hat«. Die martialische Machtdemonstration setzte den Ton für seine Reise nach Europa.
Ein Geschenk auf unsicherem diplomatischen Boden
Die Trikot-Geste kam zu einem Zeitpunkt akuter transatlantischer Spannungen. In den Tagen zuvor hatte Merz die US-Strategie im Iran-Krieg scharf kritisiert. Zudem belasteten Trumps Drohung einer Übernahme Grönlands und seine Strafpredigten gegen Europa die Beziehungen. Der G7-Gipfel selbst wurde vorgezogen, um eine Kollision mit Trumps Geburtstagsfeier zu vermeiden; die Schweiz führte wieder Grenzkontrollen ein, in Genf verbarrikadierten Geschäfte ihre Fenster.
Hinter der symbolischen Versöhnung standen handfeste politische Konflikte. Am gleichen Tag testeten die Europäer Trump zu den Risiken seines Iran-Abkommens und drängten auf ein Umdenken in der Ukraine-Politik. Trump kündigte vage eine »zweite Phase« des Deals an, ohne Details zu nennen. Sein ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton warnte öffentlich: »Iran hat Trump in ein schlechtes Abkommen gelockt.«
Heiße Mikrofone und kalte Realitäten
Für Auflockerung sorgten private Gespräche, die von Mikrofonen aufgefangen wurden. So erfuhr die Öffentlichkeit, dass Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni das Rauchen aufgegeben hatte. Wichtiger war jedoch Trumps Äußerung, der Ukraine-Krieg habe »keinerlei Auswirkungen« auf die amerikanische Wirtschaft – eine Aussage, die bei den europäischen Verbündeten für Verwunderung sorgte.
Am letzten Gipfeltag diskutierte die Runde über Künstliche Intelligenz und die Dominanz US-amerikanischer Unternehmen in diesem Bereich. Trumps Blockadehaltung gegen bundesstaatliche KI-Regulierungen kollidierte mit Europas Forderung nach fairerem Wettbewerb.
Eine Geste ohne Lösung
Das Trikot mit der Nummer 47 bleibt ein starkes Bild einer angespannten Partnerschaft. Während Merz betonte, man sei »im selben Team«, offenbarten die Gespräche in Évian fundamentale Differenzen in zentralen Fragen. Wie lange die persönliche Diplomatie die politischen Gräben noch überbrücken kann, ließ der Gipfel offen.








