„Kriegsdrohungen stehen dem Frieden im Weg“
AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) aufgefordert, die jüngsten Äußerungen des Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, zu missbilligen. Neumann hatte in einem Interview mit dem britischen Telegraph erklärt, die deutsche Luftwaffe sei bereit, „heute Nacht“ gegen Russland zu kämpfen, sollte ein NATO-Mitglied angegriffen werden.
Kriegsdrohungen wie durch Luftwaffen-Chef Holger Neumann, laut dem Deutschland gegen Russland ‚heute Nacht zu kämpfen‘ bereit sei, stehen dem Frieden im Weg.Tino Chrupalla, AfD-Bundessprecher
Chrupalla verwies in seiner Stellungnahme auf das jüngste Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran. „Das ist zu begrüßen. Nun müssen alle beteiligten Kriegsparteien das Abkommen mit Leben füllen und zu einer stabilen Friedensordnung in der Region beitragen“, sagte er laut Presseportal. Die Bundesregierung müsse die richtige Lehre ziehen und auf Russland zugehen, um als „ehrlicher Makler“ zur Friedensfindung in der Ukraine beizutragen.
Neumanns Ansage: „Wir sind bereit, jeden Zentimeter zu verteidigen“
Im Interview mit WELT/Telegraph hatte Neumann klargestellt, Deutschland werde im Ernstfall „mit allem reingehen, was wir in Deutschland haben“. Er nannte Kaliningrad, die Kola-Halbinsel und das Schwarze Meer als mögliche Ziele für NATO-Gegenangriffe, sollte Russland das Bündnis attackieren.
Wenn es zu einem Konflikt kommt – hoffentlich nie –, aber wenn doch, werden wir jeden Zentimeter unseres Territoriums verteidigen. Ich denke, das ist eine wichtige Botschaft, besonders für den Hohen Norden und für unsere baltischen Verbündeten.Holger Neumann, Inspekteur der Luftwaffe
Der Generalleutnant betonte, dass es innerhalb der NATO „keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit“ gebe. Ein Angriff auf Estland würde dieselbe Reaktion auslösen wie ein Angriff auf London. „‚Heute Nacht kämpfen‘ bedeutet: Wenn mich jetzt jemand anruft und sagt, wir haben hier folgende Situation, müssen wir jetzt bereit sein – und wir sind bereit“, so Neumann.
NATO-Geheimdienste erwarten russische Angriffsfähigkeit bis 2029
Die Kontroverse fällt in eine Zeit verschärfter Warnungen vor Russlands militärischer Aufrüstung. Generalleutnant Christian Freuding, Chef des deutschen Heeres, erklärte gegenüber Politico, alle 32 NATO-Partner teilten die Einschätzung, dass Russland bis 2029 in der Lage sein könnte, ein NATO-Land anzugreifen. Auch der dänische Rundfunk berichtete über russische Truppenverlegungen nahe der finnischen und norwegischen Grenze.
Chrupalla hält dem entgegen: „Diplomatie führt auch in verfahrener Lage zum Frieden.“ Und weiter: „Noch besser als einen Krieg zu beenden, ist es, den Frieden zu sichern!“
Ob Verteidigungsminister Pistorius der Aufforderung Chrupallas nachkommen und Neumanns Äußerungen missbilligen wird, blieb zunächst offen. Aus dem Bendlerblock hieß es, der Minister stehe hinter seinem Inspekteur. Chrupalla jedenfalls bleibt bei seiner Linie: Ein diplomatischer Vorstoß sei der einzige Weg, den Frieden in Europa dauerhaft zu sichern.





