Vorschlag: Jüdische und muslimische Feiertage gesetzlich anerkennen
Pünktlich zum 81. Jahrestag des Kriegsendes präsentierte die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp einen Fünf-Punkte-Plan, um jüdisches Leben in der Hauptstadt zu stärken. Ein Kernpunkt: Perspektivisch sollen jüdische und muslimische Feste als gesetzliche Feiertage anerkannt werden. Konkret nannte Eralp Jom Kippur und das Zuckerfest am Ende des Ramadan.
Ich fände es ganz wichtig, wenn es jeweils einen gesetzlichen Feiertag zu einem jüdischen und einem muslimischen Fest gäbe. Das wäre eine Form von Anerkennung und von Wertschätzung.Elif Eralp (Die Linke)
Den Vorstoß bezeichnete Eralp als einen Wunsch, der aus den Communitys an sie herangetragen worden sei (dpa). Im Fall eines Wahlsiegs wolle sie das Vorhaben prüfen.
Jüdische Gemeinde: »Feige und unbrauchbar«
Doch der Plan erntet heftige Kritik. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, nannte das Konzept im Tagesspiegel ein »Feigenblatt« und unbrauchbar.
Die Menschen hinter diesem Konzept trauen sich nicht, vom muslimischen Antisemitismus zu reden. Das Papier ist feige.Gideon Joffe (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin)
Joffe verwies auf die prekäre Situation jüdischer Kinder an öffentlichen Schulen und forderte eine »Brandmauer gegen links«. Noch deutlicher wurde der Historiker Ralf Balke in der Jüdischen Allgemeinen: Er nannte den Plan eine »Linke Luftnummer« und erinnerte an Vorfälle wie die Beschimpfung eines israelischen Bürgermeisters durch einen Neuköllner Linken-Kandidaten sowie das Abstimmverhalten der Partei gegen Solidarität mit einer antisemitismuskritischen Kneipe.
Schutzkonzepte und Sichtbarkeit – der Plan im Detail
Neben den Feiertagen sieht Eralps Konzept verlässliche Schutzkonzepte für jüdische Einrichtungen durch interreligiöse Sicherheitspartnerschaften und nachbarschaftliche Strukturen vor. Jüdische Feiertage sollen in Schulen und Verwaltung berücksichtigt, das Neujahrsfest Rosch ha-Schana mit städtischer Illumination sichtbar werden. Ein Stipendienprogramm für jüdische Kulturschaffende soll aufgebaut werden. Eralp betonte: »Als Linke Berlin stehen wir unmissverständlich an der Seite von Jüdinnen und Juden und setzen uns dafür ein, dass jüdisches Leben in Berlin sicher, sichtbar und selbstbestimmt gelebt werden kann.«
Bereits im März 2026 hatte sich Eralp vom Antizionismus-Beschluss des niedersächsischen Parteitags distanziert. Gegenüber dem Spiegel nannte sie den Beschluss falsch, weil er das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ausblende. »Für mich sind die Existenzberechtigung Israels und das Selbstbestimmungsrecht jüdischer Menschen nicht verhandelbar.«
Offene Fronten im Wahlkampf
Der Streit um den richtigen Kampf gegen Antisemitismus wird den Berliner Wahlkampf weiter prägen. Die Jüdische Gemeinde fordert klare Worte gegen muslimischen Antisemitismus, die Eralps Plan vermissen lässt. Ob die Linke trotz interner Widersprüche und der harschen Kritik aus der jüdischen Community mit ihrem Fünf-Punkte-Plan punkten kann, ist offen. Die Wahl am 20. September 2026 wird zeigen, ob eine »Brandmauer gegen links« von den Wählern geteilt wird.





