Ein Abkommen in Versailles, ein Sturm in Washington
Nur wenige Tage nach der feierlichen Unterzeichnung in Versailles entfacht das Abkommen mit dem Iran einen politischen Feuersturm in den USA. Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance hatten das Memorandum of Understanding bereits am 14. Juni digital mit dem iranischen Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf unterzeichnet, bevor es am 18. Juni im Rahmen des G7-Gipfels offiziell besiegelt wurde. Doch was die Regierung als Weg zum Frieden preist, werten führende Republikaner und Medien als fatale Niederlage.
Das 14-Punkte-Abkommen im Detail
Das MoU sieht vor, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt und seine Vorräte an hochangereichertem Uran von rund 440 Kilogramm durch Downblending unschädlich macht. Im Gegenzug geben die USA eingefrorene iranische Vermögenswerte zwischen 25 und 35 Milliarden Dollar frei und setzen Sanktionen für Ölexporte aus. Ein Rahmenplan für den Wiederaufbau Irans mit mindestens 300 Milliarden Dollar ist vorgesehen, finanziert durch regionale Partner – nicht direkt durch die USA.
Die Straße von Hormus soll binnen 60 Tagen wieder geöffnet werden, zunächst gebührenfrei. Der Waffenstillstand gibt beiden Seiten zwei Monate Zeit, um ein endgültiges Atomabkommen auszuhandeln. Die Internationale Atomenergiebehörde hatte seit den Bombardements im Juni 2025 keinen Zugang mehr zu den Anlagen – die künftige Überwachung bleibt Verhandlungssache.
Republikaner: 'Ein schlimmerer Deal als 2015'
In den USA schlägt dem Präsidenten scharfe Kritik entgegen. Senatoren wie Thom Tillis und Lindsey Graham bemängeln die fehlende parlamentarische Kontrolle und vergleichen den Vertrag mit dem von Trump stets geschmähten JCPOA-Abkommen. 'Das ist eine demütigende Niederlage', schrieb die New York Times. Das Magazin Foreign Policy nannte den Iran-Krieg eine größere strategische Niederlage als Vietnam.
Trump selbst verteidigte das Abkommen mit ungewöhnlichen Worten: 'Psychologisch wollen wir es haben', sagte er über das hochangereicherte Uran. Von der Basis seiner Partei erntet er dennoch Häme, viele sehen die Freigabe der iranischen Milliarden ohne ausreichende Kontrollen als Einknicken vor Teheran.
Iran feiert strategischen Sieg
In Teheran hingegen wird das MoU als Triumph gefeiert. Staatliche Medien loben die 'unangetasteten defensiven Fähigkeiten' des Landes, während Außenamtssprecher Baghaei betont, das Uran bleibe im Land. Die Öffnung der Straße von Hormus zu den eigenen Bedingungen wertet die Führung als Beleg amerikanischer Schwäche.
Ölpreise fallen – doch der Frieden ist fragil
Die globalen Energiemärkte reagierten prompt: Mit der schrittweisen Wiedereröffnung der Hormus-Passage sanken die Rohölpreise. Investoren atmen auf, doch unter Beobachtern wächst die Sorge, dass der Deal nicht hält. Die 60-Tage-Frist bis zu einer dauerhaften Lösung ist knapp, und die Erinnerung an die geplatzten Genfer Vorgespräche im Februar 2026 mahnt zur Vorsicht. Sollten die Inspektionen in den kommenden Wochen scheitern, droht der Konflikt neu zu eskalieren.
Der republikanische Druck auf Trump wächst indes: Sollte der Senat das Abkommen kippen, könnte der Präsident mitten in der Verhandlungsphase mit einem Scherbenhaufen dastehen.








