Wagenknechts Abrechnung mit der Brombeer-Koalition
Sahra Wagenknecht hat sich klar gegen eine Fortsetzung der Thüringer Regierungskoalition aus CDU, BSW und SPD ausgesprochen. In einem Interview mit der „Thüringer Allgemeinen Zeitung“ am 18. Juni 2026 sagte die BSW-Gründerin, es gebe „wenige inhaltliche Gemeinsamkeiten“. Dies habe „der Glaubwürdigkeit des BSW schwer geschadet und die AfD nur noch stärker gemacht“.
Bereits seit der Bildung der sogenannten Brombeer-Koalition Ende 2024 hatte Wagenknecht das Bündnis kritisiert. Sie sah im Regieren mit CDU und SPD einen Grund für das knappe Scheitern ihrer Partei bei der Bundestagswahl 2025. Damals verlangte sie eine deutlichere „Handschrift des BSW“ und beklagte eine zu hohe Kompromissbereitschaft der Thüringer Parteikollegen.
Unabhängiger Regierungschef und AfD-Einbeziehung
Statt der Brombeer-Koalition schlug Wagenknecht ein alternatives Modell vor: „Auch in Thüringen wäre es besser, einen im Land breit akzeptierten, parteiunabhängigen Ministerpräsidenten zu suchen, der mit wechselnden Mehrheiten regiert – auch unter Einbeziehung der AfD.“ Diese Formulierung sorgte bundesweit für Aufsehen und Kritik.
Die Regierung unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), mit Katja Wolf (BSW) als Finanzministerin und Georg Maier (SPD) als Innenminister, verfügt im Landtag nur über 44 der 88 Sitze – also keine eigene Mehrheit. Sie ist daher auf Stimmenthaltungen oder Zustimmung aus der Opposition angewiesen, funktioniert aber laut dem Erfurter Politikwissenschaftler Thorsten Thiel „ungewöhnlich stabil“.
Innerparteilicher Widerstand gegen Wagenknechts Kurs
Die Thüringer BSW-Landesvorsitzende Katja Wolf wies die Kritik ihrer Parteikollegin umgehend zurück. Wolf hatte bereits im Vorfeld der Koalitionsbildung auf landespolitische Handlungsfähigkeit gesetzt, während Wagenknecht bundespolitische Themen wie die Stationierung von US-Raketen und den Ukrainekrieg im Koalitionsvertrag verankern wollte. In einem gemeinsamen Gastbeitrag in der „FAZ“ betonten Wolf, Voigt und Maier im November 2024: „Nicht die Parteiinteressen, sondern das Land steht im Mittelpunkt.“
Innerhalb des BSW ist die Regierungsbeteiligung nach wie vor umstritten. Etwa 30 Prozent der Mitglieder stimmten gegen den Koalitionsvertrag. Auf einem Landesparteitag im April 2025 setzte sich Wolf zudem gegen eine von Wagenknecht favorisierte Kandidatin durch – ein Zeichen im innerparteilichen Machtkampf. Die BSW-Mitbegründerin Żaklin Nastić trat Anfang April 2026 mit scharfer Kritik an der Parteichefin aus der Partei aus.
BSW kämpft um sein politisches Überleben
Mit den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stehen für das BSW entscheidende Monate bevor. Die Partei hofft auf einen Wiedereinzug in die Parlamente, um sich als ostdeutsche Protestpartei bis zur Bundestagswahl 2029 zu behaupten. Die Brombeer-Koalition in Thüringen bleibt unterdessen die letzte Regierungsbastion des BSW.
Ob Katja Wolf die Koalition trotz der erneuten öffentlichen Schelte aus Berlin stabil halten kann, ist offen. Die AfD, die als stärkste Fraktion über eine Sperrminorität verfügt, könnte von der Debatte profitieren. Eine förmliche Abstimmung über Wagenknechts Vorschlag gibt es bislang nicht – Wolf setzt weiter auf Pragmatismus.





