Der Vorwurf
„Sie klingen wie eine kaputte Schallplatte!“ – mit diesen Worten fuhr die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am Montagabend in der ARD-Talkshow „maischberger“ den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger an. Vorausgegangen war ein hitziger Schlagabtausch über Migration und Abschiebungen, bei dem die Faktenlage zunehmend in den Hintergrund geriet.
Aiwanger hatte zuvor eine konsequente Abschiebung ausreisepflichtiger Straftäter gefordert und beklagt, der Staat verliere an Legitimation, wenn er immer wieder eingestehen müsse, dass mehrfach Straftäter hierblieben. Vor allem gehe es um allein reisende, gewalttätige Männer – Familien mit Kindern seien die absolute Minderheit.
Wir müssen alle Ideen umsetzen, um Straftäter außer Landes zu schaffen.Hubert Aiwanger (Bayerischer Wirtschaftsminister und Vorsitzender der Freien Wähler)
Der Faktencheck
Dröge warf Aiwanger vor, mit seiner Rhetorik Stimmung gegen Migranten zu machen und die Debatte zu verwirren. Nicht einmal 15 Prozent der Ausreisepflichtigen seien überhaupt Straftäter. Die Mehrheit seien Minderjährige und Frauen, die von den geplanten „Return Hubs“ der EU betroffen wären, ohne eine Straftat begangen zu haben.
Ein Faktencheck des WDR belegt: Von den rund 230.000 Ausreisepflichtigen in Deutschland (Stand 31. Dezember 2025) besaßen 190.974 eine Duldung, konnten also aus rechtlichen oder formalen Gründen nicht abgeschoben werden. Nur 15 Prozent aller Ausreisepflichtigen gelten als Straftäter – und unter diesen wenigen sind etwa 85 Prozent Männer. Die Mehrheit der Ausreisepflichtigen insgesamt stellen jedoch Frauen und Minderjährige.
Der Zoff
Sie klingen wie eine kaputte Schallplatte!Katharina Dröge (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen)
Aiwanger ließ sich von den Zahlen nicht beirren und warf Dröge ihrerseits vor, die Realität schönzureden. Die Grünen-Politikerin konterte, es sei irrational, Straftäter vor der Verbüßung ihrer Haftstrafe in andere Länder abzuschieben, wo sie womöglich frei herumlaufen. Der Streit endete ohne Annäherung.
Während die Sendung den Konflikt zwischen liberaler und restriktiver Migrationspolitik erneut offenlegte, zeigte der Faktencheck, dass die Debatte oft an der Grundgesamtheit der Betroffenen vorbei geführt wird.





