Offene Bewerbung mit brisantem Lebenslauf
Vom 19. bis 21. Juni tagt die Linke in Potsdam. Unter den Kandidaturen für den erweiterten Bundesvorstand fällt ein Name besonders auf: Gerd Schnepel. Der 82-Jährige aus Hamburg ist erst seit April Mitglied der Partei – und bezeichnet sich in seiner Bewerbung selbstironisch als „Jungmitglied (82, wie Mick Jagger)“. In seiner offiziellen Bewerbung verweist er offen auf seine Zeit in terroristischen Vereinigungen: „4 J. Revol. Zellen, inkl. PFLP-Mitarbeit“.
Mitglied der Revolutionären Zellen und der PFLP
Schnepel war von 1975 bis etwa 1977 Teil der Revolutionären Zellen (RZ), eines linksterroristischen Netzwerks, das für Anschläge und Entführungen verantwortlich war. In seiner Bewerbung nennt er zudem die Mitarbeit bei der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die von EU und USA als Terrororganisation geführt wird.
Erst vor wenigen Monaten berichtete der Spiegel über Schnepels Beteiligung an einem RZ-Anschlag auf den ITT-Konzern in Nürnberg vor 50 Jahren. Seine damalige Lebensgefährtin war die Terroristin Brigitte Kuhlmann, die 1976 bei der Entführung einer Air-France-Maschine nach Entebbe von israelischen Spezialkräften getötet wurde.
Widerspruch und Kritik
Volker Beck, früherer Bundestagsabgeordneter der Grünen, kommentierte die Kandidatur auf X mit scharfen Worten: „Resozialisierung müsse zwar möglich sein, aber Schnepel verharmlose und rechtfertige antisemitischen Terrorismus. Aber das ist bei @dieLinke inzwischen ja nicht ungewöhnlich. @BfV_Bund übernehmen Sie! Gesichert extremistisch.“
Auch in den Medien schlägt die Nachricht Wellen. „Ex-Terrorist kandidiert für Linke-Bundesvorstand“ titelt die WELT. Die „Junge Freiheit“ sieht einen Beleg für das ungeklärte Verhältnis der Linken zum Linksterrorismus.
Parteitag vor heikler Entscheidung
Die Linke selbst hat sich bislang nicht offiziell zu Schnepels Kandidatur geäußert. Der Hamburger Landesverband hat ihn nominiert. Auf der Kandidatenliste rangiert er zwischen Ulrich Schneider und Oliver Schröder. Der Parteitag wird zeigen, ob die rund 600 Delegierten einem Mann mit dieser Vita einen Sitz im erweiterten Bundesvorstand geben – und damit ein Signal senden, das weit über Potsdam hinausreichen dürfte.





