CDU-Fraktionschef bestätigt Teilnahmen
Jens Spahn hat über seine Sprecherin bestätigt, zwischen 2018 und 2024 insgesamt fünfmal an Veranstaltungen des exklusiven „Dialog“-Netzwerks teilgenommen zu haben. Das von Peter Thiel mitgegründete Forum galt bis zu einem Datenleck im Juni 2026 als streng geheim, wie das US-Magazin Wired aufdeckte.
Die Teilnahmen erfolgten laut Fraktionssprecherin in unregelmäßigen Abständen: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. Zweimal nahm Spahn demnach als amtierender Bundesgesundheitsminister teil.
Agenda: Weltkrieg und Sektenbau
Für das nächste Retreat bei Dublin im August 2026, zu dem Spahn eingeladen war, listet die Tagesordnung Themen wie „Navigating WWIII“, „Build-a-Cult“ oder „How’s Your Sex Life?“. Spahn sagte seine Teilnahme nach Bekanntwerden des Datenlecks ab.
Die Mitgliederliste umfasst laut Wired 113 Personen, darunter Nato-Oberbefehlshaber General Alexus Grynkewich und US-Senator Ted Cruz. Spahn erklärte, Peter Thiel auf den Treffen nie persönlich begegnet zu sein. Der Begriff „Dialog-Society“ sei ihm nicht bekannt.
Fünfmal soll Jens Spahn am von Peter Thiel organisierten Dialogforum teilgenommen haben, davon zweimal als aktives Regierungsmitglied.Irene Mihalic (Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin)
Nach Angaben der Fraktionssprecherin trug Spahn die Teilnahmegebühren selbst, die sie als „niedrig dreistellig“ beziffert. Wired hatte dagegen für ein Event 2022 Gebühren von über 16.000 US-Dollar genannt.
Scharfe Reaktionen aus Koalition und Zivilgesellschaft
Peter Thiel und sein Netzwerk stehen für ein Demokratieverständnis, das nichts gemein hat mit unseren Vorstellungen einer freiheitlichen und pluralistischen repräsentativen Demokratie und unseren Grundwerten von Rechtsstaat, Menschenwürde und Demokratieprinzip, wie sie im Grundgesetz verankert sind.Ralf Stegner (SPD-Politiker)
Der SPD-Politiker Ralf Stegner warf Spahn vor, sich in ein Umfeld zu begeben, das demokratischen Grundwerten widerspreche. Die Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic forderte Aufklärung über die Finanzierung während Spahns Ministerzeit.
Auch Lobbycontrol kritisierte Spahn scharf. Sprecherin Kathrin Anhold erklärte: „Er begebe sich fahrlässig in antidemokratische Kreise, die Europa spalten und die AfD stärken wollen.“
Ob Spahns Teilnahmen an den Thiel-Treffen weiter politische Folgen haben werden, bleibt bislang offen. Innerhalb der CDU/CSU-Fraktion gab es zunächst keine offiziellen Stellungnahmen.





