Die AfD in Sachsen-Anhalt hat in ihrem 154 Seiten starken Regierungsprogramm einen massiven Konfrontationskurs gegen die christlichen Kirchen eingeschlagen. Die als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei fordert darin die ersatzlose Streichung der jährlichen Staatsleistungen in Höhe von rund 43 Millionen Euro – und erntet scharfe Warnungen von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU).
"Generalangriff auf die Kirchensteuerkirchen"
Neben dem Ende der historisch begründeten Staatsleistungen will die AfD den staatlichen Einzug der Kirchensteuer abschaffen und das Kirchenasyl kriminalisieren. Statt der großen Kirchen, die sie als Vertreter einer "Regenbogenideologie" diffamiert, sollen Freikirchen, Baptisten und orthodoxe Gemeinden gefördert werden, weil dort ein "authentischer" Glaube praktiziert werde.
Die Partei spricht in ihrem Programm offen von einem "Generalangriff auf die Kirchensteuerkirchen" und wirft ihnen vor, das "gesellschaftliche Zerstörungswerk der Altparteien" voranzutreiben. Zudem will sie Vereine, die Landesförderung erhalten, zu einem "glaubhaften Bekenntnis zur demokratischen Ordnung und zu einer patriotischen Grundhaltung" zwingen.
Schulze: "AfD will die Kirchen zerstören"
CDU-Ministerpräsident Sven Schulze warnte mehrfach vor den Folgen eines AfD-Wahlsiegs für die kirchlichen Strukturen. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklärte er:
Alle Parteien in Sachsen-Anhalt außer der AfD haben eine positive Sichtweise auf die Kirchen – unterschiedlich zwar, aber positiv. Aber die AfD will die Kirchen zerstören.Sven Schulze (Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, CDU)
Schulze verwies auf die weitreichenden sozialen Einrichtungen der Kirchen: "Mehrere hundert Einrichtungen von Kirchen wie Kindergärten, Krankenhäuser oder Pflegeheime wären dadurch gefährdet." Allein 208 Kindertagesstätten im Land würden von den Kirchen getragen, dazu zahlreiche Schulen und Pflegeeinrichtungen.
Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) bekräftigte er: "Ich bin strikt dagegen, die staatlichen Zuwendungen an die Kirchen zu streichen, wie es die AfD fordert." Die Kirchen leisteten einen "wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt".
Kirchen formieren Widerstand
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) kündigte an, ihre Kampagne "Herz statt Hetze" fortzuführen und analysierte das AfD-Programm unter der Rubrik "Unter der Lupe". Sie nennt es einen "Generalangriff auf die Kirchen in Sachsen-Anhalt".
Das Bistum Magdeburg startete die Aktion "Bewusst wählen" mit Plakaten, Vorträgen und öffentlichen Aktionen. Bischof Gerhard Feige warnte beim ökumenischen Empfang in Magdeburg, die AfD versuche, die Kirchen "verbal niederzuknüppeln". In einer gemeinsamen Stellungnahme vom 11. April 2026 erklärten die leitenden Geistlichen, das AfD-Programm sei ein "Angriff auf Menschenwürde, Freiheit und Solidarität".
Schulze ermutigte die Kirchen zur politischen Einmischung: "Die Kirchen sollen ihre politische Meinung sagen." Er erwarte ein "klares Zeichen". Bei einem AfD-Wahlsieg könnte diese Auseinandersetzung nach der Landtagswahl am 6. September in einen offenen Kulturkampf münden.





