Höchste Auszeichnung aberkannt
Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers entzogen. Auslöser war ein Dekret vom 26. Mai, mit dem Selenskyj einer ukrainischen Spezialeinheit den Ehrennamen „Helden der UPA“ verlieh. Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) wird in Polen für Massaker an polnischen Zivilisten während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht.
Nawrocki betonte in einer 13-minütigen Ansprache, die historische Wahrheit sei kein Faustpfand. Trotz wiederholter Warnungen aus Warschau habe Kiew die Entscheidung nicht revidiert. „Das Gedenken an die Opfer ist eine moralische Pflicht des polnischen Staates“, erklärte er.
Ukrainische Führung reagiert geschlossen
Bereits am Folgetag kündigte Selenskyj an, den Orden physisch zurückzusenden. Auch Stabschef Kyrylo Budanow, Außenminister Andrij Sybiha und Botschafter Wassyl Bodnar gaben ihre polnischen Auszeichnungen zurück. Die Orden hätten ihre Bedeutung verloren, so die ukrainische Seite.
Die Entscheidung, die Auszeichnung zu entziehen, war ein Fehler.Andrij Sybiha, ukrainischer Außenminister
Sybiha nannte Nawrockis Schritt einen „strategischen Fehler, der nur Moskau nützt“. Budanow sprach von einem „unfreundlichen Akt“ und einem „Geschenk für den Aggressor“.
Tusk wirft Nawrocki taktischen Fehler vor
In Polen löste der Vorgang innenpolitische Spannungen aus. Ministerpräsident Donald Tusk attackierte den Präsidenten ungewöhnlich scharf. „Ein Fehler ist schlimmer als ein Verbrechen“, zitierte ihn Politico. Die Regierung fürchtet diplomatische und wirtschaftliche Schäden, kurz vor der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig.
Ein Fehler ist schlimmer als ein Verbrechen.Donald Tusk, polnischer Premierminister
Finanzminister Andrzej Domański betonte, polnische Unternehmen wollten am Wiederaufbau der Ukraine verdienen. Bis zuletzt blieb unklar, ob Selenskyj persönlich zur Konferenz anreisen würde.
Selenskyj selbst verglich Nawrocki in Brüssel mit Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán und warnte vor einer Beschädigung der polnisch-ukrainischen Partnerschaft durch anti-ukrainische Ressentiments. Die Ukraine bleibe offen für den Dialog über die schmerzhafte Vergangenheit beider Völker.





