Einsatz in der City Nord
200 Polizeibeamte haben am frühen Morgen des 25. Juni 2026 eine Großrazzia in der größten Hamburger Geflüchtetenunterkunft durchgeführt. Die Aktion am Überseering stand unter Federführung der Bundesagentur für Arbeit und ist Teil der Bekämpfung von organisiertem Kindergeldbetrug. Gegen 6 Uhr riegelten Einsatzkräfte der Landespolizei und des Landeskriminalamts sämtliche Ein- und Ausgänge des als „Ukraine-Haus“ bekannten Gebäudekomplexes ab. Bewohner wurden kontrolliert und aus den Betten geholt, um ihre Identität und den tatsächlichen Wohnort zu überprüfen.
Organisierter Betrug mit Kindergeld
Hintergrund sind Ermittlungen zu 370 Verdachtsfällen von Kindergeldbetrug. Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit erklärte, es bestehe der Verdacht vorgetäuschter Identitäten und Staatsangehörigkeiten. Die Kontrollen betrafen sowohl Eltern als auch deren Kinder. Nach Informationen von NDR 90,3 wurden vor Ort 150 konkrete Verdachtsfälle überprüft. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die gemeldeten Personen tatsächlich in der Unterkunft wohnen und ob Kinder sich rechtmäßig am Meldeort aufhalten.
Unterkunft mit schwieriger Vergangenheit
Die Asylunterkunft am Überseering, die aus einer ehemaligen Postbank-Zentrale hervorging, ist die größte Einrichtung ihrer Art in Hamburg. Sie bietet Platz für bis zu 1.500 Menschen, derzeit sind etwa 920 bis 1.000 Personen gemeldet. In der Vergangenheit sorgten Polizeieinsätze, Gewaltvorfälle und Hygienemängel immer wieder für Schlagzeilen.
Die Razzia reiht sich in eine verschärfte Gangart gegen Sozialleistungsmissbrauch ein. Im Frühjahr 2026 hatten die Innenminister von Bund und Ländern weitreichende Beschlüsse gefasst, um bandenmäßigen Betrug zu bekämpfen. Dabei werden oft Scheinarbeitsverhältnisse oder überbelegte Unterkünfte genutzt, um unrechtmäßig Bürgergeld oder Kindergeld zu kassieren. Die gesammelten Erkenntnisse werden nun ausgewertet. Für die Bewohner bedeutet der Einsatz eine erneute Belastung – viele von ihnen sind vor Krieg und Verfolgung geflohen und sehen sich nun mit dem Verdacht konfrontiert, Leistungen zu Unrecht zu beziehen.





