Meloni und Frederiksen: Abschiebezentren in Afrika und christliches Erbe verteidigen
Nach dem Massenansturm auf Ceuta verbünden sich Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Sozialdemokratin Mette Frederiksen: In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie eine rigide Migrationspolitik und Rückführungszentren in Drittländern – und betonen das christliche Kulturerbe Europas.
Während Spanien noch die Folgen des Massenzustroms nach Ceuta bewältigt, schmieden zwei der mächtigsten Frauen der EU eine unerwartete Allianz gegen unkontrollierte Migration. Am Montag veröffentlichten Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (Fratelli d’Italia) und Dänemarks sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen eine gemeinsame Erklärung auf Facebook – und setzen damit ein Zeichen für eine radikale Wende in der europäischen Asylpolitik.
Ihr Vorschlag: Rückführungszentren in Drittstaaten außerhalb der EU und eine strenge Durchsetzung europäischer Werte, die sie im christlichen Erbe verankert sehen. „Wir müssen Rückführungszentren in Drittländern sowie andere innovative Lösungen außerhalb Europas einrichten. Daran arbeiten wir intensiv“, schrieb Frederiksen in dem Post, wie Euronews berichtet.
„We do not accept uncontrolled immigration into Europe, and we have promoted a rigorous migration policy, both in our own countries and across Europe.“
Giorgia Meloni, italienische Ministerpräsidentin
Die beiden Regierungschefinnen – nach eigenen Angaben die einzigen weiblichen Staats- und Regierungschefs der EU – räumen ihre politischen Differenzen offen ein. „Wir kommen aus sehr unterschiedlichen politischen Hintergründen und sind sicher nicht in allem einer Meinung“, so Meloni laut Politico. Dennoch verbinde sie der Wille, Europa und seine Werte zu schützen.
„We are both proud of Europe's Christian cultural heritage and want to protect it. We expect those who come to our countries and choose to make Europe their home to respect our values and not seek to impose ways of life on us that we do not share.“
Giorgia Meloni, italienische Ministerpräsidentin
Bereits am 1. August hatten Meloni und Frederiksen einen von 22 EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichneten Brief an die EU-Spitzen vorgelegt – darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz, der erst kürzlich die sofortige Rücknahme der Migranten aus Marokko forderte. Das Schreiben drängt auf eine Bekämpfung von Schleusernetzwerken, stärkere Außengrenzen und die Beseitigung sogenannter Pull-Faktoren, wobei ausdrücklich die spanische Legalisierung hunderttausender Migranten als ein solcher Anreiz kritisiert wurde.
Chronologie der Eskalation
Die Chronologie
22. Mai 2025
Meloni und Frederiksen starten Allianz
Gemeinsame Pressekonferenz im Palazzo Chigi in Rom – Beginn ihrer migrationspolitischen Zusammenarbeit.
30. Juli 2026
Massenansturm auf Ceuta
Innerhalb weniger Stunden erreichen rund 49.000 Migranten die spanische Exklave; Stadtpräsident Vivas fordert nationalen Notstand – wird abgelehnt.
1. August 2026
Brief von 22 EU-Staaten
Meloni und Frederiksen legen einen von 22 EU-Chefs unterzeichneten Brief vor, der koordiniertes Handeln gegen illegale Migration verlangt.
4. August 2026
EU-Innenminister beraten
Krisen-Videokonferenz; Spanien meldet 72.000 eingedrungene Migranten, rund 70.000 seien freiwillig nach Marokko zurückgekehrt.
10. August 2026
Gemeinsame Erklärung
Meloni und Frederiksen veröffentlichen ihren Facebook-Post mit Forderungen nach Abschiebezentren und Betonung des christlichen Erbes.
Italien und Spanien im Grenzkonflikt
Italien setzte nach dem Ansturm auf Ceuta das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien aus und führte Grenzkontrollen für Reisende aus Spanien ein. Ein Schritt, den Spanien als „unangemessen für ein Partnerland, von dem wir europäische Solidarität erwarten“ kritisierte, wie die BBC berichtet. Madrid reagierte mit eigenen Kontrollen für Ankünfte aus Italien.
Doch die Pläne stoßen auf Widerstand. Frankreichs Präsident Macron und Spaniens Premier Sánchez haben sich bereits im Juni gegen Rückkehrzentren in Drittstaaten gestellt – ein Konflikt, der die EU zu spalten droht.
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Die Erklärung von Meloni und Frederiksen zeigt, dass in der europäischen Migrationsdebatte ein neuer Konsens über klassische Parteigrenzen hinweg entsteht. Beide appellieren an die Bevölkerungen, die viel zu lange einen hohen Preis für unkontrollierte Einwanderung gezahlt hätten. Ob aus dieser politischen Allianz konkrete EU-Gesetze werden, hängt nun vom Widerstand der südlichen und westlichen Mitgliedstaaten ab.