Friedrich Merz fällt im neuen ARD-DeutschlandTrend auf ein historisches Tief: 83 Prozent der Wahlberechtigten sind mit der Arbeit des Bundeskanzlers weniger oder gar nicht zufrieden, nur 13 Prozent äußern sich zufrieden. Wie aus der offiziellen ARD-Pressemitteilung zur September-Erhebung hervorgeht, ist das der niedrigste je für einen amtierenden Kanzler gemessene Wert.
Noch deutlicher ist das Urteil über die schwarz-rote Bundesregierung: 84 Prozent sind unzufrieden, 15 Prozent zufrieden. Selbst in den eigenen Reihen bröckelt die Unterstützung – 58 Prozent der Unionsanhänger und 66 Prozent der SPD-Anhänger sind mit der Koalition unzufrieden.
Der Absturz setzt eine Serie fort: Bereits am vergangenen Wochenende hatte das Politbarometer Friedrich Merz auf minus 1,9 Zufriedenheitspunkte gesehen. Der neue DeutschlandTrend bestätigt nun, dass die Unzufriedenheit nicht nur ein Ausreißer ist, sondern sich verfestigt.
Regierung in der Defensive
Auch bei der Frage nach der Regierungsarbeit zeigt sich der Vertrauensverlust. Der Anteil der Zufriedenen liegt bei 15 Prozent, ein Plus von zwei Punkten gegenüber August, aber das Unzufriedenheitsniveau bleibt mit 84 Prozent nahe am Rekord. Die Werte reichen tief in die Anhängerschaft der Koalition hinein.
Unter den Anhängern von CDU/CSU und SPD überwiegt die Kritik deutlich: 58 Prozent der Unions- und 66 Prozent der SPD-Unterstützer bewerten die Regierungsarbeit negativ. Bei den Oppositionsanhängern ist die Ablehnung fast vollständig – 88 Prozent der Grünen-, 93 Prozent der Linken- und 99 Prozent der AfD-Anhänger sind unzufrieden.
AfD sechs Punkte vor der Union
In der Sonntagsfrage bleibt die AfD mit 27 Prozent klar stärkste Kraft, obwohl sie gegenüber Anfang August einen Punkt verliert. Die Union verharrt bei 21 Prozent. Die Grünen halten 15 Prozent, die SPD verbessert sich auf 13 Prozent und die Linke auf 12 Prozent. Die FDP liegt bei 4 Prozent, alle übrigen Parteien zusammen bei 8 Prozent.
Sonntagsfrage im ARD-DeutschlandTrend (September 2026)
Parteipräferenzen in Prozent
Damit kämen Union und SPD zusammen nur auf 34 Prozent – weit entfernt von einer Regierungsmehrheit. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die Union noch 28,5 Prozent und die AfD 20,8 Prozent erreicht. Die AfD hatte zuletzt im Juli mit 28 Prozent ihren Höchstwert im DeutschlandTrend markiert, wie auch die damalige Umfrage mit Rekordvorsprung für die AfD zeigte.
Pistorius bleibt beliebtester Politiker
An der Spitze der Politikerzufriedenheit steht weiterhin Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit 51 Prozent, zwei Punkte weniger als im August. Es folgen Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit 34 Prozent (+2), Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit 30 Prozent (+2) und AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel mit 26 Prozent (-1).
Im eigenen Lager schneidet Kanzler Merz besser ab als in der Gesamtbevölkerung, aber auch dort ist die Mehrheit unzufrieden: 45 Prozent der Unionsanhänger sind zufrieden, 52 Prozent nicht. Am beliebtesten bei den Unions-Unterstützern ist Innenminister Dobrindt mit 66 Prozent Zufriedenheit, während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nur auf 23 Prozent kommt.
Wirtschaftsangst und Ukraine-Skepsis
Die wirtschaftliche Lage bewerten 57 Prozent als weniger gut, 32 Prozent sogar als schlecht – ähnlich pessimistisch waren die Befragten zuletzt 2022 und 2008. Das Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz der Union sinkt weiter: Nur 24 Prozent trauen CDU/CSU zu, die wirtschaftlichen Aufgaben zu lösen, etwa 15 Punkte weniger als vor eineinhalb Jahren. Zum Vergleich: Der AfD vertrauen 20 Prozent, SPD und Grünen jeweils 10 Prozent.
Auch die Außen- und Sicherheitspolitik spaltet: 42 Prozent halten die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine für zu weitgehend, 38 Prozent für angemessen, 14 Prozent fordern mehr. In Ostdeutschland geht die Unterstützung 54 Prozent zu weit. Dass Deutschlands Sicherheit durch Russland bedroht ist, sehen 56 Prozent, 39 Prozent sehen keine oder nur geringe Bedrohung – in den ostdeutschen Ländern sind es 47 Prozent, die kaum Bedrohung sehen.
So wurde gemessen
Für den DeutschlandTrend befragte Infratest dimap vom 31. August bis 2. September 2026 insgesamt 1.319 Wahlberechtigte – 787 telefonisch und 532 online. Die Stichprobe ist repräsentativ; die statistische Schwankungsbreite liegt bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei rund drei Prozentpunkten, bei 10 Prozent bei rund zwei Punkten. Wie die ARD unter Berufung auf Infratest dimap mitteilt, misst die Sonntagsfrage nur aktuelle Parteipräferenzen und ist keine Prognose des Wahlausgangs.
