Gauck warnt Merz vor Rücktritt – CDU-Ministerpräsidenten beraten Brief
Joachim Gauck stärkt Friedrich Merz öffentlich den Rücken und warnt ihn vor einem Rücktritt – doch in der CDU wächst der Widerstand: Am Sonntag kommt das Präsidium zur Klausur zusammen, die eigenen Ministerpräsidenten sitzen bereits wieder an einem Brief an den Parteichef.
Ein Rücktritt von Friedrich Merz wäre „wirklich total schädlich“. Mit dieser Warnung hat Joachim Gauck dem Kanzler am 1. Oktober beim „Spiegel“-Spitzengespräch im Berliner Admiralspalast öffentlich den Rücken gestärkt – mitten in der Debatte über Merz' Zukunft.
Gauck sagte dort über Merz: „Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen.“ Es war kein Satz am Rande: Der Altbundespräsident sprach auf dem von Markus Feldenkirchen moderierten Podium und warnte den Kanzler ausdrücklich davor, hinzuwerfen.
Der Druck kommt aus der eigenen Partei. Am Sonntag, 11. Oktober, kommt das CDU-Präsidium zur Klausur zusammen. Der stern-Podcast zur CDU-Präsidiumsklausur am Sonntag berichtet, die CDU-Ministerpräsidenten säßen an einem Brief an den Parteichef; offen ist, ob er abgeschickt wird.
Gauck: „Dann wäre er ein politischer Volltrottel“
Gauck machte deutlich, wie er einen Rückzug des Kanzlers bewerten würde. Das Vertrauen der Wähler würde darunter leiden, sagte er: „Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde.“
„Na ja, also wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel. Das wird er nicht tun. Das geht nicht, das kann man nicht machen.“
Joachim Gauck, Altbundespräsident
Für Merz ist Gauck ein nützlicher Fürsprecher: ein Altbundespräsident aus dem bürgerlichen Lager, der die Rücktrittsdebatte nicht anheizt, sondern bremst. Wie der Merkur über Gaucks Volltrottel-Satz berichtet, fiel dieser Satz am 1. Oktober im Berliner Admiralspalast.
Gauck kritisierte den Kanzler aber auch selbst. Er sehe einen „eklatanten Widerspruch“ zwischen Merz' Ankündigungen und seinem politischen Handeln. Den Medien warf er vor, den Kanzler „kräftig verunsichert“ zu haben: „Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert.“
Zehn Prozent Zufriedenheit – der niedrigste Wert seit 1997
Die Umfragen stützen Gaucks Zuversicht nicht. Im ARD-„Deutschlandtrend“ sind nur rund zehn Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden – der niedrigste Wert für einen Kanzler seit 1997. Die Union liegt bei etwa 20 Prozent.
Zufriedenheit mit Merz, Union und AfD
ARD-Deutschlandtrend, Angaben gerundet
Quelle: ARD-Deutschlandtrend
Die AfD liegt mit 27 Prozent deutlich vor der Union. Bereits Mitte September lehnten 78 Prozent Merz als Kanzler ab; in der Union wurden Söder und Wüst als mögliche Nachfolger gehandelt.
Die Koalition hält – ohne großen Wurf
Vor der Parteiklausur steht das Ergebnis des Koalitionsausschusses. Union und SPD beendeten ihre Beratungen am späten Abend des 7. Oktober; nach Einschätzung des stern bleibt die Koalition halbwegs friedlich zusammen.
Herausgekommen ist kein großes Paket, sondern ein Zeitplan in Scheiben: Die vereinbarten Reformen sollen scheibchenweise angegangen werden. Für das Reformpaket rechnet der Kanzler erst im Frühjahr 2027 mit einer Einigung.
Am Sonntag zeigt sich, ob die Klausur den Druck auf den Kanzler senkt – und ob die CDU-Ministerpräsidenten ihren Brief tatsächlich abschicken. Gauck hat klargemacht, was er von einem Rückzug hält.