SPD stürzt in Berlin auf 12,1 Prozent ab und verhandelt mit der Linken
Bild: KI-generiert
Regierungsbildung Berlin

SPD stürzt in Berlin auf 12,1 Prozent ab und verhandelt mit der Linken

Henryk M. Broder rechnet in der WELT mit einer SPD ab, die nach 12,1 Prozent mit der Linken verhandelt und Enteignungen mitträgt, die ihr Spitzenkandidat ausgeschlossen hatte. In der Partei wächst der Widerstand.

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Die SPD ist in Berlin auf 12,1 Prozent abgestürzt, die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Ausgerechnet jetzt drängt die Partei in Koalitionsverhandlungen mit eben dieser Linken – und Henryk M. Broder hat dafür ein Bild gefunden, das sitzt.

Der Kommentar zu den Berliner Sondierungen erschien am 24. Oktober in der WELT, in der Rubrik „Sondierungen in Berlin“. Geschrieben hat ihn Henryk M. Broder, Publizist, Jahrgang 1946, seit 2011 für die Welt-Gruppe tätig.

Ergebnis der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: Wahl vom 20. September 2026

Der Bruch bei den Enteignungen

Den Anlass liefert die Berliner Regierungsbildung. Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD, hatte im Wahlkampf Enteignungen kategorisch ausgeschlossen und angekündigt, in keine Koalition einzutreten, die Enteignung zur Voraussetzung macht. Im Sondierungspapier vom 17. Oktober steht die Vergesellschaftung von rund 160.000 Wohnungen dennoch – ein rot-grün-roter Enteignungskurs in Berlin.

„Flexibel bis zum Exzess ist die SPD von heute – und allzeit bereit, jede Kröte zu schlucken. Was ist bloß aus der einst stolzen Partei geworden?“
Henryk M. Broder, Publizist und WELT-Kolumnist

Broder liest den Schwenk nicht als Kompromiss, sondern als Selbstaufgabe. „Es ist der Sieg des Absurden über jede Normalität“, schreibt er über eine Partei, die in Berlin nur noch 12,1 Prozent stellt – ihr historisch schlechtestes Ergebnis.

Widerstand aus der eigenen Partei

Die Skepsis speist sich aus der Partei selbst. Der Beschluss der Berliner SPD für Koalitionsverhandlungen fiel am 19. Oktober im Landesvorstand mit 26 zu 3 Stimmen, die Grünen votierten 43 zu 2.

In der Bundespartei regt sich Widerstand. 20 SPD-Bundestagsabgeordnete warnten in einer Erklärung gegen die Regierungsfähigkeit der Linken vor dem Bündnis, Titel: „Unser Wertekompass ist niemals verhandelbar“. Fraktionschef Matthias Miersch bekannte bei „Caren Miosga“ „erhebliche Zweifel“.

Von außen kommt die schärfste Kritik aus den eigenen Reihen. Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte der „Süddeutschen Zeitung“, er finde es „fast beschämend“, was die Berliner SPD-Führung mache.

„Die SPD wirkt ja gerade so, als hätte sie es ganz eilig, so schnell wie möglich sich der Linken zu unterwerfen.“
Wolfgang Thierse, ehemaliger Bundestagspräsident (SPD)

Wie es weitergeht

Der Druck von unten wächst. Franziska Giffey und der SPD-Kreisverband Lichtenberg fordern ein Mitgliedervotum über das Bündnis. Thierse argumentiert genauso: „Es wäre doch absurd, wenn die Linkspartei einen Mitgliederentscheid macht, die Grünen auch und ausgerechnet die SPD nicht.“

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Auch die Wähler sind skeptisch. Im ZDF-Politbarometer vom 22. Oktober lehnten 56 Prozent der Deutschen Rot-Grün-Rot ab, nur 26 Prozent fanden es gut. Die CDU hält dagegen: Landeschef Stefan Evers lud SPD und Grüne für den 29. Oktober zu vertraulichen Gesprächen ein. „Die Hand der CDU bleibt ausgestreckt für ein Bündnis der Verantwortung und der Vernunft“, sagte er.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnt, die „Ultra-Links-Koalition in Berlin“ könne „zu einem echten Sicherheitsrisiko werden“. Linke-Chef Luigi Pantisano räumte ein: „Natürlich haben wir auch Antisemitismus in der Linken.“ Entschieden ist nichts: Der Parteitag der Berliner Linken berät am 31. Oktober, am 29. Oktober tritt das Abgeordnetenhaus zusammen.