Berliner Flughafen BER schiebt 2.591 Menschen ab – 15,3 Prozent mehr
Bild: KI-generiert
Rückführungen

Berliner Flughafen BER schiebt 2.591 Menschen ab – 15,3 Prozent mehr

2.591 Menschen sind 2025 über den Flughafen BER abgeschoben worden, 15,3 Prozent mehr als 2024. Der neue Tätigkeitsbericht des Beobachtungsforums kritisiert Nacht-Abholungen von Familien und Festnahmen bei Behördenterminen – und lobt zugleich die Bundespolizei.

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Über den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) sind 2025 insgesamt 2.591 Menschen abgeschoben worden. Das sind 344 mehr als 2024 und ein Plus von 15,3 Prozent, wie aus der Jahresbilanz der Abschiebungen am BER hervorgeht.

Vorgestellt wurde der Tätigkeitsbericht 2025 des Forums Abschiebungsbeobachtung Berlin-Brandenburg (FABB) am 2. November in Berlin. Er zählt nicht nur die Fälle, sondern beschreibt, wie die Rückführungen ablaufen – und übt dort scharfe Kritik.

Abschiebungen über den Flughafen BER 2024 und 2025

Zahl der über den BER abgeschobenen Menschen

Quelle: FABB, Tätigkeitsbericht 2025

Unabhängige Beobachter dokumentierten im Berichtszeitraum 28 von 37 Sammelabschiebungen und 96 Einzelmaßnahmen. Hauptrückführungsziele bei den Sammelabschiebungen waren erneut Moldau, Georgien und Serbien.

Nächtliche Abholungen von Familien

Der erste Kritikpunkt betrifft Familien mit Kindern: Sie werden nachts abgeholt. Vollzugsbehörde ist die Bundespolizei – und die ist zugleich Mitglied des Forums, das diese Abholungen dokumentiert.

Ein zweiter Punkt sind Festnahmen bei Behördenterminen. Ausreisepflichtige, die zu einem Termin erscheinen, werden nach Darstellung des FABB teils festgenommen. Häufig folgt danach eine Abschiebung ohne Gepäck und ohne wichtige Unterlagen.

Hinzu kommen zwei Vorwürfe zum Ablauf selbst: Minderjährige werden bei Abschiebungen als Übersetzer eingesetzt. Und bei ärztlich begleiteten Abschiebungen per Linienflug fehlt nach Angaben des Forums die Sprachvermittlung.

Lob für den Umgang mit Kindern

Nicht alles ist Kritik. Das Forum bescheinigt der Bundespolizei einen verbesserten Umgang mit Kindern. Für besonders verletzliche Personen wurden gesonderte Abläufe geschaffen – ausdrücklich genannt sind Kinder im Autismus-Spektrum.

Das Lob wiegt, weil Kritik und Vollzug in derselben Runde sitzen. Wer bei der Abschiebungsbeobachtung mitwirkt, zeigt die Mitgliederliste: neben der Bundespolizei als Vollzugsbehörde die Behörden Berlins und Brandenburgs, beide große Kirchen, Wohlfahrtsverbände, UNHCR/UNICEF, Amnesty International und Pro Asyl.

Moderiert wird das Gremium von Barbara John, der früheren Berliner Ausländerbeauftragten, ihre Stellvertreterin ist Diözesancaritasdirektorin Ulrike Kostka. Damit prallen im selben Forum aufeinander, die abschieben, und die, die kontrollieren.

Wie sich die Beobachtung verändert hat

Die Zahlen von 2024 zeigen, wie stark sich die Begleitung verschoben hat. Damals wurden 2.247 Menschen über den BER abgeschoben; die Beobachter dokumentierten 19 von 33 Sammelabschiebungen und 111 Einzelmaßnahmen.

2025 waren es 28 von 37 Sammelabschiebungen – aber nur noch 96 Einzelmaßnahmen. Die Beobachter waren also bei deutlich mehr Sammelabschiebungen dabei und bei Einzelmaßnahmen seltener als im Vorjahr.

Von der Gründung bis zum Bericht 2025

  1. 2013
    Das Forum wird gegründet

    Das Forum Abschiebungsbeobachtung Berlin-Brandenburg (FABB) entsteht als gemeinsames Gremium von Behörden, Kirchen und Verbänden.

  2. Anfang 2014
    Die unabhängige Beobachtung beginnt

    Beobachter begleiten und dokumentieren Abschiebungen an den Berliner Flughäfen.

  3. 2024
    2.247 Abschiebungen über den BER

    Dokumentiert werden 19 von 33 Sammelabschiebungen und 111 Einzelmaßnahmen.

  4. 14. Juli 2025
    Tätigkeitsbericht für 2024 vorgelegt

    Das Forum stellt in Berlin seine Bilanz des Vorjahres vor.

  5. 2025
    2.591 Abschiebungen über den BER

    Ein Plus von 15,3 Prozent gegenüber 2024; bundesweit steigt die Zahl um 13,5 Prozent auf 22.787.

  6. 2. November 2026
    Tätigkeitsbericht 2025 vorgestellt

    In Berlin wird die Jahresbilanz präsentiert, samt Kritik an Nacht-Abholungen und Festnahmen bei Behördenterminen.

Bundesweit 22.787 Abschiebungen

Der Anstieg am BER ist kein Einzelfall. Bundesweit stiegen die Abschiebungen 2025 um 13,5 Prozent auf 22.787. Am Flughafen fiel der Zuwachs mit 15,3 Prozent etwas stärker aus als im Bundesschnitt.

Widerstand gibt es auch an den Terminals: Proteste an Flughäfen gegen Abschiebungen nach Kabul gab es im Oktober 2026 am BER und an mehreren anderen deutschen Airports.

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In der Bundespolitik zielt der Ton in dieselbe Richtung: CDU-Politiker Günter Krings fordert Sozialhilfe-Entzug für Untergetauchte. Der Druck auf den Vollzug wächst damit von zwei Seiten – aus den Terminals und aus dem Bundestag.

Offen ist, ob das Forum mit seiner Kritik durchkommt. Ob die Bundespolizei bei Nacht-Abholungen von Familien und bei Festnahmen in Behördenfluren nachsteuert, wird der nächste Tätigkeitsbericht zeigen – als Vollzugsbehörde entscheidet sie mit, was am Terminal passiert.