Sylter Reederei sagt AfD-Bürgerdialog auf Raddampfer 'Freya' nach politischem Druck ab
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Sylter Reederei sagt AfD-Bürgerdialog auf Raddampfer 'Freya' nach politischem Druck ab

Nach einstimmigem Beschluss des Sylter Hauptausschusses hat die Reederei Adler Schiffe den für den 13. Juni 2026 geplanten Bürgerdialog der AfD-Bundestagsfraktion auf dem historischen Raddampfer 'Freya' in Kiel abgesagt. Die AfD spricht von 'undemokratischem Druck' und Boykottaufruf.

Bürgerdialog auf der „Freya“ findet nicht statt

Der für den 13. Juni 2026 geplante Bürgerdialog der AfD-Bundestagsfraktion auf dem historischen Raddampfer „Freya“ in Kiel ist abgesagt. Die Sylter Reederei Adler Schiffe zog die Vermietung zurück – nachdem der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt am Dienstagabend einstimmig Druck gemacht hatte, wie die WELT berichtete.

Das Gremium hatte die Bürgermeisterin beauftragt, mit dem Reeder über eine Verhinderung der Vermietung zu sprechen. Wenige Stunden später erklärte die Reederei: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen wird die geplante Fahrt mit der ‚Freya‘ am 13.06.2026, wie bereits angekündigt, nicht stattfinden.“

Unternehmen betont geschäftliche Neutralität

Adler Schiffe betonte, man vermiete seit mehr als 75 Jahren ausschließlich nach geschäftlichen Kriterien – ohne politische, religiöse oder weltanschauliche Positionierung. Die Reederei hatte die Buchung der AfD zunächst verteidigt, änderte dann aber unter dem öffentlichen und politischen Druck ihre Haltung.

AfD-Bundestagsabgeordneter Kurt Kleinschmidt nannte die Einflussnahme auf das Unternehmen „in höchstem Maße undemokratisch“, wie die dpa meldete. Er verglich den Vorgang mit einem Boykottaufruf.

Die Einflussnahme kommt einem Boykottaufruf gleich.
Kurt Kleinschmidt, AfD-Bundestagsabgeordneter

Auch die schleswig-holsteinische AfD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Przygodda sprach von einem „zutiefst undemokratischen Geist“. Allein um das Unternehmen zu schützen, habe die AfD die Veranstaltung nun selbst abgesagt, sagte sie. Zuvor hatte bereits der Runde Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel eine Absage gefordert.

Der mediale und politische Druck auf die Reederei zeugt von einem zutiefst undemokratischen Geist.
Kerstin Przygodda, AfD-Bundestagsabgeordnete

Politischer Druck auf private Vermieter

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Darf eine Gemeinde per Beschluss Druck auf ein Unternehmen ausüben, um die Nutzung durch eine demokratisch gewählte Partei zu verhindern? Während die Kritiker der AfD von einem legitimen zivilgesellschaftlichen Protest sprechen, sieht die Partei Grundrechte verletzt.

Die Reederei erklärte, sie werde weiterhin an alle Kunden vermieten, die sich im Rahmen geltender Gesetze bewegten. Offen bleibt, ob die AfD einen anderen Veranstaltungsort für den 13. Juni finden wird. Die „Freya“ – Baujahr 1909 – ist einer der letzten erhaltenen Seitenraddampfer Deutschlands und ein beliebtes Ausflugsschiff auf der Kieler Förde und dem Nord-Ostsee-Kanal.

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