Wiederwahl mit 401 Stimmen
Am 18. Juli 2024 bestätigte das Europäische Parlament Ursula von der Leyen für eine zweite Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Kommission. Mit 401 Stimmen übertraf sie die erforderliche Mehrheit von 360 deutlich, wie die Tagesschau berichtete. 284 Abgeordnete stimmten gegen sie, 15 enthielten sich. Von der Leyen setzte sich auf die Unterstützung ihrer EVP, der Sozialdemokraten, der Liberalen und der Grünen – eine breite pro-europäische Allianz.
„Sie gehören ins Gefängnis, nicht in die Kommission“
Doch die Debatte eskalierte, als die polnische EU-Abgeordnete Ewa Zajączkowska-Hernik von der nationalkonservativen Konfederacja (Fraktion Europe of Sovereign Nations) das Wort ergriff. Sie warf von der Leyen vor, die europäische Wirtschaft zu zerstören und durch den Migrationspakt die Sicherheit von Frauen und Kindern zu gefährden. Die erste Wahl von der Leyens sei ein riesiger Fehler gewesen, und viele Europäer hätten noch immer einen bitteren Nachgeschmack, sagte sie laut der belarussischen Agentur BelTA.
Für das, was Sie tun, gehören Sie ins Gefängnis, nicht in die Europäische Kommission!Ewa Zajączkowska-Hernik, polnische EU-Abgeordnete (Konfederacja)
Zajączkowska-Hernik ging noch weiter. Sie adressierte von der Leyen direkt von Frau zu Frau, von Mutter zu Mutter, und fragte, ob sie sich nicht schäme, einen Migrationspakt zu unterstützen, der Millionen Mütter und Kinder in Europa auf den Straßen ihrer eigenen Städte unsicher mache. Jede Gewalttat, jeder Angriff durch illegale Migranten sei persönlich von der Leyen anzulasten, weil sie diese Menschen nach Europa einlade.
Ich spreche Sie als Frau zu Frau an, als Mutter zu Mutter. Schämen Sie sich nicht, den Migrationspakt voranzutreiben, der dazu führt, dass Millionen Mütter und Kinder in Europa sich auf den Straßen ihrer eigenen Städte nicht sicher fühlen?Ewa Zajączkowska-Hernik, polnische EU-Abgeordnete (Konfederacja)
Die polnische Abgeordnete sagte, von der Leyens neue Amtszeit werde einen weiteren Niedergang der Europäischen Union bedeuten – eine Schande für den gesamten Verbund souveräner europäischer Staaten.
Pro-europäische Allianz feiert Sieg
Die Stimmung im Plenum war gespalten. Während rechte Fraktionen lautstark protestierten, feierte die pro-europäische Mehrheit den Wahlausgang. Iratxe García, Vorsitzende der Sozialdemokraten, sprach von einem Tag, an dem Europa gewinne. Die pro-europäischen Kräfte hätten große Verantwortung übernommen und gemeinsam ein Ergebnis erzielt, das ohne die Grünen mit ihren 53 Abgeordneten kaum möglich gewesen wäre.
Heute gewinnt Europa. Die pro-europäischen politischen Kräfte hatten wirklich eine große Herausforderung, eine große Verantwortung, hier für dieses Ergebnis zusammenzuarbeiten.Iratxe García, Vorsitzende der Sozialdemokraten im EU-Parlament
Von der Leyen hatte in ihrer Bewerbungsrede um Zustimmung mit Zugeständnissen an die verschiedenen Fraktionen geworben: mehr Grenzschutz, eine stärkere Verteidigungspolitik und Offenheit für E-Fuels. Ihr Vorsprung von 41 Stimmen über der Mindestgrenze war komfortabler als 2019, als sie nur neun Stimmen mehr als nötig erhielt.
Der Eklat zeigt, wie tief die Gräben im neuen Europaparlament sind. Mit zwei neuen Rechtsfraktionen – den 25 Abgeordneten der Europe of Sovereign Nations und den 84 Abgeordneten von Patriots for Europe – stellen die rechten Kräfte mehr als ein Viertel der Mandate. Die wiederholte Forderung, eine gewählte Kommissionspräsidentin gehöre ins Gefängnis, ist auch im Ton eine neue Eskalationsstufe.
Ob die breite Koalition aus EVP, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen die gesamte Legislaturperiode trägt, bleibt offen. Der Migrationspakt, der wenige Wochen zuvor in Kraft trat, wird zur ersten großen Bewährungsprobe. Und die Gegner um Zajączkowska-Hernik haben klargemacht: Sie werden jede Entscheidung der Kommissionschefin mit maximaler Härte angreifen.





