Neue Höchstwerte bei der Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland hat 2025 neue Rekordmarken erreicht. Wie das Statistische Bundesamt am 7. Juli mitteilte, kommen neugeborene Mädchen auf 83,6 Jahre, neugeborene Jungen auf 79,1 Jahre. Das ist bei den Frauen ein Plus von knapp zwei Monaten, bei den Männern von etwa drei Monaten gegenüber dem Vorjahr. Verglichen mit dem Pandemie-Tief 2022 gewannen Frauen sogar neun Monate hinzu, Männer fast dreizehn Monate – also mehr als ein ganzes Jahr.
Die Erholung erklärt sich vor allem dadurch, dass die Jahre mit pandemiebedingter Übersterblichkeit aus dem dreijährigen Berechnungszeitraum herausgefallen sind. Doch auch der langjährige Trend zu einer steigenden Lebenserwartung setzt sich fort, getrieben durch medizinische Fortschritte, gesündere Ernährung und bessere Arbeitsbedingungen. Die vollständige Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes finden Sie hier.
Baden-Württemberg vorn, Sachsen-Anhalt Schlusslicht
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Dreijahreszeitraum 2023/2025 führt Baden-Württemberg das Ranking an: Dort werden Frauen im Schnitt 84,4 Jahre alt, Männer 80,3 Jahre. Die niedrigste Lebenserwartung verzeichnen Frauen im Saarland mit 82,0 Jahren und Männer in Sachsen-Anhalt mit 76,4 Jahren. Die Geschlechterdifferenz ist in Mecklenburg-Vorpommern mit über sechs Jahren zugunsten der Frauen am größten, in Baden-Württemberg und im Saarland mit rund vier Jahren am geringsten.
Rentenkommission schlägt Kopplung vor – Merz will sie umsetzen
Die Rekordwerte erhöhen den Druck auf die Rentenfinanzierung. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hatte bereits im Juni empfohlen, die Regelaltersgrenze nach 2031 moderat an die Lebenserwartung zu koppeln. Für ein Jahr mehr Lebenserwartung eines Jahrgangs soll das Renteneintrittsalter um acht Monate steigen, die restlichen vier Monate würden als längere Rentenbezugszeit gewährt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte bei der Regierungsbefragung am 24. Juni an, die Reformvorschläge vollständig umsetzen zu wollen. Er hofft auf einen Beschluss noch in diesem Jahr. Auch Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) signalisierte Zustimmung.
Gewerkschaften und Sozialverbände rebellieren
Auf massive Kritik stoßen die Pläne bei Gewerkschaften und Sozialverbänden. IG-Metall-Chefin Christiane Benner warnte, eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren werde in den Betrieben auf heftige Ablehnung treffen. Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer nannte die Kopplung ungerecht.
Wer mit 18 oder 19 auf dem Bau anfängt oder in der Pflege schuftet, arbeitet somit länger, doch lebt statistisch deutlich kürzer.Philipp Türmer, Juso-Vorsitzender
Diese Vorschläge blenden die Arbeits- und Lebensrealität vieler Beschäftigter aus.Christiane Benner, IG-Metall-Vorsitzende
Auch Ver.di-Chef Frank Werneke äußerte deutliche Kritik. Wirtschaftsverbände hingegen begrüßten die Empfehlungen als wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Rentenfinanzen.
Entscheidung bis Ende 2026 erwartet
Die Koalition strebt einen Beschluss des Gesetzespakets noch in diesem Jahr an. Ob die Kopplung des Renteneintritts an die Lebenserwartung die parlamentarischen Hürden nimmt und wie die endgültige Regelung aussehen wird, ist offen. Die Debatte dürfte durch die neuen Rekordwerte zusätzlich an Fahrt gewinnen.









