BSW verhilft AfD zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt
Die AfD soll in Sachsen-Anhalt den Landtagspräsidenten stellen – das BSW bekommt dafür einen Vizeposten. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen jede Zusammenarbeit mit der AfD ab, eine Koalition schließt auch das BSW aus.
In Sachsen-Anhalt soll die AfD das ranghöchste Amt des Landes bekommen – mit den Stimmen des BSW. Nach einem Bericht des ARD-Hauptstadtstudios steht die Einigung von AfD und BSW auf die Landtagsspitze: Die AfD stellt den Landtagspräsidenten, das BSW bekommt einen Vizepräsidenten.
Bestätigt wurde die Absprache am 21. September von beiden Seiten. BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali sagte auf Nachfrage: „Ja, das ist auch das, was ich höre.“ Per parlamentarischer Gepflogenheit stehe der stärksten Fraktion der Landtagspräsident zu, ergänzte sie – man werde sich dem „nicht aus Prinzip verstellen“. Namen für die Posten konnte sie noch nicht nennen.
Die Zahlen erklären, warum das BSW so viel Gewicht hat. Bei der Landtagswahl am 6. September kam die AfD auf 43,8 Prozent und stellt 39 der 83 Abgeordneten. Für die absolute Mehrheit von 42 Sitzen fehlen drei – mit den fünf BSW-Abgeordneten käme die AfD auf 44.
Damit ist das BSW der einzige mögliche Mehrheitsbeschaffer für die AfD – die Rolle des BSW als Königsmacher. Alle anderen im Landtag vertretenen Parteien lehnen eine Koalition oder eine strukturierte Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ab.
Sitze im Landtag von Sachsen-Anhalt nach der Wahl am 6. September 2026
Absolute Mehrheit: 42 von 83 Sitzen
Quelle: Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, 6. September 2026
Das BSW legte sich früh fest
Die Linie des BSW war schon kurz nach der Wahl klar. Parteigründerin Sahra Wagenknecht nannte es „unstrittig, dass der AfD als mit Abstand stärkster Fraktion das Amt des Parlamentspräsidenten zusteht“. Fraktionsgeschäftsführer John Lucas Dittrich kündigte an, die AfD werde die Stimmen der BSW-Abgeordneten für den Landtagspräsidenten erhalten.
Auch bei der Vorbereitung des neuen Landtags zog das BSW mit der AfD: Im Vorältestenrat am 16. September stützte es AfD-Umbaupläne für den Landtag von Sachsen-Anhalt, etwa bei Sitzordnung und Ausschussgrößen. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Olaf Meister drohte deshalb mit einer Klage.
Von der Landtagswahl zur Einigung auf das Präsidium
6. September 2026
AfD gewinnt die Landtagswahl
43,8 Prozent und 39 von 83 Sitzen – die absolute Mehrheit von 42 verfehlt die AfD. CDU 15 Sitze, SPD, Grüne und Linke je 8, BSW 5.
kurz nach der Wahl
Wagenknecht erkennt den Anspruch an
Die BSW-Gründerin nennt das Präsidentenamt für die AfD unstrittig, Fraktionsgeschäftsführer Dittrich sichert BSW-Stimmen zu.
16. September 2026
Streit um Sitzordnung und Ausschüsse
Im Vorältestenrat präsentiert die AfD Umbaupläne für den Landtag, die das BSW unterstützt.
18. September 2026
MDR meldet wahrscheinlichen AfD-Präsidenten
Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz warnt vor einem „faschistischen“ Landtagspräsidenten.
21. September 2026
Einigung auf das Präsidium
AfD und BSW verständigen sich nach ARD-Informationen auf einen AfD-Landtagspräsidenten und einen BSW-Vizepräsidenten; beide Fraktionen bestätigen.
22. September 2026
Amtliches Endergebnis
Der Landeswahlausschuss stellt das Ergebnis der Landtagswahl fest.
Was die AfD dafür zusagt
In der AfD-Fraktion wird die Absprache als Gegenleistung für die Wahl des Präsidenten behandelt. Parlamentarischer Geschäftsführer Tobias Rausch bestätigte sie mit Verweis auf das BSW.
„Das BSW hat es bereits öffentlich gemacht, dass sie der Meinung sind, der stärksten politischen Kraft den Landtagspräsidenten zuzubilligen.“
Tobias Rausch, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt
Im Gegenzug kündigte Rausch an, die AfD werde all jene unterstützen, die auch die Arbeit der AfD im Parlament unterstützen. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla lobte, dass die stärkste Fraktion den Präsidenten stellt – das sei „ein ganz normaler parlamentarischer Brauch“, und das BSW setze als „bislang einzige Partei“ die Gepflogenheiten um.
Präsident ja, Koalition nein
Das BSW zieht eine scharfe Trennlinie zwischen Parlamentsämtern und Regierungsbeteiligung. Eine Koalition mit der AfD schließt die Partei aus. Bei einer Wahl des Ministerpräsidenten will sie sich enthalten – weder AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund noch ein CDU-Kandidat bekämen ihre Stimmen, sagte Mohamed Ali.
Daraus entstünde ein Patt, das Siegmund im dritten Wahlgang mit relativer Mehrheit für sich entscheiden könnte. Siegmunds Plan für eine AfD-Regierung bis Dezember hängt damit an einer Partei, die nicht mitregieren will.
Auf der anderen Seite steht die Ablehnungsfront: CDU, SPD, Grüne und Linke verweigern jede Zusammenarbeit mit der AfD. In der vergangenen Wahlperiode war AfD-Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten mehrfach die Mehrheit verweigert worden; nun hat die stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht für den Präsidentenposten. Scheitert ihr Kandidat im ersten Wahlgang, könnten auch andere Fraktionen eigene Kandidaten vorschlagen.
Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz nannte einen möglichen AfD-Landtagspräsidenten bei einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin „faschistisch“. Die AfD ist in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
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Fahrplan bis zum 6. Oktober
Am 22. September stellt der Landeswahlausschuss das amtliche Endergebnis fest. Eine Woche später, am 29. September, will die AfD-Fraktion beschließen, welchen Kandidaten sie für das Amt des Landtagspräsidenten aufstellt.
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