Der als Oberhaupt des Remmo-Clans geltende Issa Remmo erhebt einen neuen Vorwurf gegen den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak: Koçak habe mehr als eine Stunde in seinem Büro gesessen. Remmos Schilderung des Gesprächs im Büro gaben am 16. Oktober stern, B.Z., n-tv, Focus und weitere Medien nach einer Meldung der dpa wieder.
Remmo widerspricht damit der Darstellung des Abgeordneten, der jeden persönlichen Kontakt zur Familie Remmo bestritten hatte. Nach Remmos Schilderung fand die Begegnung in seinen eigenen Räumen statt und dauerte länger als eine Stunde – kein zufälliges Zusammentreffen, sondern ein Gespräch.
„Er kennt mich nicht? Er saß eine Stunde in meinem Büro!“
Koçak hatte bislang nur eingeräumt, dass Chatnachrichten mit Remmos Sohn Firas ein Fehler gewesen seien. Öffentlich sprach er von einem Fehler im Umgang mit den Kontakten – mehr nicht.
Ein Gespräch über Sozialismus, nicht über Waffen
Remmo stellt die Begegnung als politische Unterhaltung dar. In seinem Büro sei es nicht um Drogen und Waffen gegangen, sondern um Politik, Sozialismus und Enteignungen. Damit beschreibt er ein persönliches Gespräch – nicht die lose Bekanntschaft, die Koçak bislang eingeräumt hat.
„Koçak kam zu mir ins Büro. Mehr als eine Stunde haben wir diskutiert. Nicht über Drogen und Waffen, sondern über Politik, Sozialismus und Enteignungen.“
Aus Remmos Sicht ist nicht das Treffen das Problem, sondern Koçaks Umgang damit: „Hätte er gesagt: ‚Ich kenne Issa‘, dann hätte man ihn für seine Ehrlichkeit respektiert. Aber Ferat Koçak lügt“, sagte der Clan-Chef dem BILD-Interview.
Koçak hat bislang nicht bestätigt, dass er in Remmos Büro war. Anfang Oktober sagte er in einem Video, er wisse natürlich, wer Issa Remmo ist, und räumte Fehler im Umgang mit den Remmos ein.
Die Affäre begann mit veröffentlichten Nachrichten
Ausgelöst hatte die Debatte Firas Remmo: Am 21. September veröffentlichte der Sohn des Clan-Chefs angebliche Chatnachrichten mit Koçak – Firas Remmos Veröffentlichung angeblicher Chats mit Koçak. Der Verlauf datiert laut Berichten auf den 17. Februar 2026.
Am 2. Oktober räumte Koçak in einem Video Fehler ein – Koçaks Fehlereingeständnis beim Umgang mit den Remmos. Er gab seinen Sitz im Bundestags-Innenausschuss ab; der Rückzug aus dem Innenausschuss war bislang seine einzige bekannte personelle Konsequenz.
Eine Woche später sagte Issa Remmo, Koçak kenne ihn, und kündigte an, selbst in die Politik zu gehen. Zuvor war er Ende September auf der Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetreten, als die Partei bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl stärkste Kraft wurde.
Die Affäre um Koçak und die Familie Remmo
- 17. Februar 2026Chatverlauf datiert
Der Chatverlauf, den Firas Remmo später als angeblichen Austausch mit Ferat Koçak veröffentlicht, stammt aus dieser Zeit.
- 21. September 2026Firas Remmo veröffentlicht angebliche Chats
Der Sohn des Clan-Chefs stellt auf Instagram angebliche Chatnachrichten mit Koçak online; Koçak äußert sich zu den Kontakten.
- Ende September 2026Linke gewinnt in Berlin, Remmo feiert mit
Bei der Abgeordnetenhauswahl werden die Linken stärkste Kraft; Issa Remmo erscheint auf der Wahlparty in Neukölln.
- 2. Oktober 2026Koçak räumt Fehler ein, gibt Ausschuss-Sitz ab
In einem Video sagt Koçak, er wisse, wer Issa Remmo ist; er legt seinen Sitz im Bundestags-Innenausschuss nieder.
- 9. Oktober 2026Remmo: Koçak kennt mich
Issa Remmo sagt, der Abgeordnete kenne ihn, und kündigt eigene politische Pläne an.
- 15. Oktober 2026WELT berichtet vorab
Die Zeitung zitiert vorab aus Remmos Aussagen aus dem BILD-Interview.
- 16. Oktober 2026dpa-Meldung und offene Fragen
stern, B.Z., n-tv, Focus und weitere Medien übernehmen die Meldung; Koçak und die Linke lassen Anfragen unbeantwortet.
Neue Regeln für Kontakte zur organisierten Kriminalität
Die Affäre wirkt über die Person Koçak hinaus. Vor den rot-grün-roten Sondierungen in Berlin vereinbarten Linke, Grüne und SPD, Kontakte zur organisierten Kriminalität strikt zu meiden und Verstöße zu ahnden. Berührungspunkte wie der zwischen Koçak und der Familie Remmo sollen damit Folgen haben.
Koçak hat seinen Sitz im Innenausschuss abgegeben, sein Bundestagsmandat aber behalten.
Damit wird die Personalie zum Testfall für die Regeln, auf die sich Linke, Grüne und SPD gerade verständigt haben. Koçak und die Linke ließen die dpa-Anfrage, ob das Treffen im Büro stattfand, bislang unbeantwortet.
