Linke, Grüne und SPD in Berlin wollen nächste Woche Ergebnis vorlegen
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Regierungsbildung

Linke, Grüne und SPD in Berlin wollen nächste Woche Ergebnis vorlegen

Nach dem zweiten Vorgespräch im Haus der Statistik wollen Linke, Grüne und SPD kommende Woche ein Ergebnis vorlegen – doch die Linke steht wegen einer Neuköllner Wahlparty und Chatkontakten eines Abgeordneten unter Druck. Aus der SPD selbst kommt offener Widerspruch.

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Berlin kann erstmals eine Regierende Bürgermeisterin der Linken bekommen – obwohl die Partei wegen einer Wahlparty mit einem Clan-Oberhaupt und Chatkontakten eines Abgeordneten unter Druck steht. Am Samstag, 3. Oktober, verständigten sich Linke, Grüne und SPD im Haus der Statistik auf einen „weiteren gemeinsamen Weg“.

Gleichlautende Erklärungen, keine Details: Wie der rbb24-Bericht zur Regierungsbildung in Berlin festhält, wollen die drei Landesverbände die Gespräche in der kommenden Woche „zu einem Ergebnis“ führen. Offen bleibt, wie ein Senat ohne die CDU aussehen soll – und wann offizielle Sondierungen beginnen.

Es ist der zweite Anlauf binnen drei Tagen. Schon am 1. Oktober war das ergebnislose fünfstündige Vorgespräch in Berlin zu Ende gegangen. Danach hatten die Parteivorsitzenden Kerstin Wolter (Linke), Nina Stahr (Grüne) und Bettina König (SPD) den Austausch „konstruktiv“ genannt.

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Der Streit um Clans und Antisemitismus

Die Belastung kommt aus den eigenen Reihen. Am Wahlabend des 20. September feierte der Neuköllner Kreisverband der Linken mit einem Clan-Oberhaupt und einem propalästinensischen Aktivisten.

Dazu kommen Chatkontakte des Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zu einem Sohn der Großfamilie Remmo. Koçak gab daraufhin seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags auf. Schon kurz nach der Wahl warnte der Zentralrat der Juden vor einer Koalition.

Die drei Parteien müssen sich deshalb zuerst über ihren Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität verständigen. Für den CDU-Fraktionschef Stefan Evers ist das ein Eingeständnis:

„Dass sich die drei Parteien überhaupt erst mal darüber verständigen müssen, wie ihre Haltung zum Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität aussehen soll, ist an sich schon ein Statement.“
Stefan Evers, Fraktionschef der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus

Aus den Reihen der SPD selbst kommt offener Widerspruch. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel sagt: „Eine Linke, die antisemitische Ausfälle duldet, mit der ist keine Koalition möglich.“

25,7 Prozent und ein offenes Misstrauen

Die Ausgangslage ist eindeutig: Bei der am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, vor der CDU (18,8), der AfD (16,3), den Grünen (14,3) und der SPD (12,1 Prozent). Die bisherige Koalition aus CDU und SPD verlor ihre Mehrheit.

Ergebnis der Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Quelle: Abgeordnetenhauswahl Berlin, 20. September 2026

Damit wird ein Amt greifbar, das die Linke in Berlin noch nie besetzt hat: Elif Eralp könnte Regierende Bürgermeisterin werden. Bis 2025 war sie mehrere Jahre Mitglied des Vereins Rote Hilfe, den der Verfassungsschutz beobachtet.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält das für ein Ausschlusskriterium: „Wer einen Verein wie die Rote Hilfe unterstützt hat, kommt für ein Amt wie das der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin aus meiner Sicht nicht infrage.“

Der Politikwissenschaftler Volker Kronenberg formuliert den Maßstab für ein solches Bündnis: „Politik kann nur aus der Mitte heraus gestaltet werden.“

Der dritte Anlauf fällt auf einen Jahrestag

Der nächste Termin steht bereits: Am Mittwoch, 7. Oktober, soll das dritte Vorgespräch stattfinden – laut dpa am dritten Jahrestag des Hamas-Massakers in Israel. Erst danach könnten offizielle Sondierungen beginnen.

Der taz-Bericht zu den Vorgesprächen als Pokerrunde nennt zwei Vorbedingungen: Die Linke-Fraktion will am Dienstag eine Mandatsträgervereinbarung gegen Antisemitismus unterzeichnen, die SPD-Fraktion muss zuvor ihren Vorstand wählen. SPD und Grüne fordern Garantien von der Linken.

Von der Wahl bis zum dritten Vorgespräch

  1. 20. September 2026
    Die Linke wird stärkste Kraft

    Die Linke erreicht 25,7 Prozent vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1). Am Wahlabend feiert der Neuköllner Kreisverband mit einem Clan-Oberhaupt und einem propalästinensischen Aktivisten.

  2. 1. Oktober 2026
    Erstes Vorgespräch endet ergebnislos

    Linke, Grüne und SPD sprechen rund fünf Stunden im Haus der Statistik. Die Vorsitzenden Kerstin Wolter, Nina Stahr und Bettina König nennen den Austausch „konstruktiv“.

  3. 3. Oktober 2026
    Zweites Vorgespräch, „weiterer gemeinsamer Weg“

    Die drei Landesverbände erklären in gleichlautenden Mitteilungen, sie hätten sich auf einen „weiteren gemeinsamen Weg“ verständigt und wollten die Gespräche in der kommenden Woche zu einem Ergebnis führen. Details nennen sie nicht.

  4. 4. Oktober 2026
    Vorbedingungen für den dritten Termin

    Die taz berichtet, das dritte Vorgespräch sei für Mittwoch anberaumt. Die Linke-Fraktion wolle am Dienstag eine Mandatsträgervereinbarung gegen Antisemitismus unterzeichnen, die SPD-Fraktion müsse die Wahl ihres Vorstands klären.

  5. 7. Oktober 2026
    Drittes Vorgespräch geplant

    Das Treffen fällt laut dpa auf den dritten Jahrestag des Hamas-Massakers in Israel. Erst danach könnten offizielle Sondierungen beginnen.

Damit hängt der Ausgang an zwei Tagen: Am Dienstag muss die SPD-Fraktion ihren Vorstand wählen und die Linke-Fraktion die Vereinbarung gegen Antisemitismus unterzeichnen, am Mittwoch sollen die Vorgespräche ein Ergebnis liefern. Ob beides gelingt, entscheidet darüber, wer Berlin künftig regiert.